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Warten
Wer wartet schon gerne? Wer steht schon entspannt in der langen Einkaufschlange? Sogar Menschen, die viel Zeit haben, fühlen sich in Wartezeiten fremdbestimmt.
Auch mir fällt Warten oft schwer: Beim Einkaufen schiele ich regelmäßig zu den anderen Kassen, wenn ich an einer anstehe und immer hab ich den Eindruck: bei den anderen gehts schneller. Nie müssen die so lange warten wie ich. Merkwürdig, oder? Für viele von uns ist Warten vertane Zeit. Zeit, die wir gerne für etwas anderes, sinnvolleres genutzt hätten. Und: das Nicht-Warten-Können ist zur gesellschaftlichen Haltung geworden. Alles muss zeitlich passgenau geschehen - Just in time, heißt es in der Wirtschaft. Punktgenaue Bestellung, Lieferung, Auslieferung. Deshalb: kein Warten!
Zum Advent aber gehört das Warten dazu. Es ist wichtiger Bestandteil unserer Vorfreude auf Weihnachten. Worauf wir warten müssen, das schätzen wir mehr als das, was wir sofort bekommen können. Besonders Kinder lieben den Advent auch wenn das Warten ihre Geduld ganz schön strapaziert eigentlich finden sie es herrlich, auf etwas Großes und Wichtiges warten zu können. Jeden Tag hilft es, die Wartezeit zu verkürzen, wenn eine Tür des Adventskalenders geöffnet, und an jedem Adventssonntag eine weitere Adventskerze entzündet wird.
Warten auf Weihnachten. Warten auf das Kommen Gottes in die Welt. Mit dem Warten ist es eben so eine Sache - Manchmal kann man es gar nicht mehr erwarten, bis es endlich so weit ist. Ach, wenn doch schon Weihnachten wäre, denkt der eine sehnsüchtig und voller Vorfreude. Ich gehöre eher zu denen, die das Warten in jedem Advent wieder einüben müssen. Mir fällt es schwer, zum Stillstand verurteilt zu sein und dann möglicherweise plötzlich auf meine Gedanken, Erinnerungen, Wünsche und Träume zu treffen, die sich bis dahin hübsch im Hintergrund gehalten haben. Ich muss ab und zu daran erinnert werden, dass erfüllte Zeit nicht ausschließlich die ist, in der ich etwas herstelle. Erfüllte Wartezeit bietet mir die Gelegenheit, nüchtern Bilanz über das eigene Leben zu ziehen. Nachzudenken und zu fühlen wie es um mein Leben bestellt ist. Darauf zu stoßen, was ich mir erhoffe von diesem Leben. Wenn ich warte, werde ich aufmerksam auf das, was ich erwarte.
Denn das ist wichtig beim Warten es wird leichter, je mehr ich am Ende des Wartens erwarte. Erwarte ich vom bevorstehenden Weihnachtsfest etwas, auf das es sich zu warten lohnt? Ein gutes Essen, Geschenke, ein gemütliches Beisammensein, das Ende der Adventshetze. Ja, schon; aber rechne ich vielleicht sogar mit Gott selber? Erwarte ich ihn? Und was erwarte ich von ihm? Sicher mehr als gutes Essen, Geschenke, gemütliches Beisammensein. Er soll Platz in meinem Leben haben und kein Lückenbüßer mehr sein. Er soll mir helfen, mein Leben sinnhafter zu gestalten. Von dieser Hoffnung zehrt mein Warten. Wenn ich in dieser Hoffnung warte, warte ich auch nicht mehr notgedrungen. Dann wird Warten zu einer Grundhaltung.
Dann bin ich auch in der Einkaufschlange vom Warten-Müssen befreit. Dann darf ich plötzlich warten, weil ich viel zu erwarten habe. Als hoffender Mensch, der ohne deshalb immer die Hände untätig in den Schoß zu legen - geduldig das Kommen Christi erwarten.
Warten
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