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Gott kommt zu Besuch
Können Sie sich vorstellen, dass Gott zu Ihnen zu Besuch kommt? Advent heißt ja auf Deutsch: Ankunft. In der Adventszeit warten wir auf Gottes Ankunft.
Weihnachten dann feiern wir jedes Jahr wieder, dass Gott sich zu uns Menschen auf den Weg macht. Ich versuche, mir das auszumalen: Gott kommt zu mir. Kaum zu glauben. Denn so wichtig bin ich nicht. Außerdem: Jemand wie Gott, mit seinem heiligen Status, zu dem passen doch ganz andere Leute: die Guten, die Korrekten, die Heiligen. Aber angenommen, Gott käme tatsächlich zu mir: Wie würde ich reagieren? Vielleicht wie der Mensch in der folgenden Geschichte:
Ein Mann erfuhr, dass Gott zu ihm kommen wollte. »Zu mir?« schrie er entsetzt. »In mein Haus?« Er rannte durch alle Zimmer, er lief die Treppen hinauf und hinab, er kletterte auf den Dachboden, er stieg in den Keller. Er sah sein Haus mit anderen Augen. »Unmöglich! In diesem Sauhaufen kann man keinen Besuch empfangen. Alles ziemlich verdreckt. Alles voller Gerümpel. Kein Platz zum Ausruhen. Keine Luft zum Atmen.« Er riss Fenster und Türen auf: »Freunde!«, rief er, »helft mir aufräumen irgendeiner! Aber schnell!« Er begann, sein Haus zu kehren. Durch dicke Staubwolken sah er, dass ihm einer zu Hilfe gekommen war. Sie schleppten das Gerümpel vors Haus, sie schrubbten Treppen und Böden. Sie benötigten viele Kübel Wasser, um die Fenster zu putzen. Und immer noch klebte der Dreck an allen Ecken und Enden. »Das schaffen wir nie«, schnaufte der Mann. »Das schaffen wir«, sagte der andere. Sie plagten sich den ganzen Tag. Als es Abend geworden war, gingen sie in die Küche und deckten den Tisch. »So«, sagte der Mann, »jetzt kann Gott kommen. Wo er nur bleibt?« »Aber ich bin ja längst da!« sagte der andere und setzte sich an den Tisch. »Komm und iss mit mir!«
Uups, Gott ist längst da. Und will mit mir feiern. Er wartet nicht so lange, bis alles schön sauber und aufgeräumt ist. Da könnte er wahrscheinlich ewig warten. Er kommt einfach ins normale Leben hinein. Allerdings ist Gott nicht so leicht zu erkennen. Jedenfalls nicht an einem Heiligenschein. Dann schon eher daran, dass er vor Dreck und Gerümpel nicht zurückschreckt, auch nicht vor dem Gerümpel meines Lebens. Er ist einer, der bildlich gesprochen mit mir in die Kellertiefen steigt und ausmistet. In meinem Lebenskeller verstauben Dinge, die ich eigentlich nicht mehr angucken will und die ich auch niemandem zeigen will: Beziehungen, die nicht geklärt sind, ungeliebte Erinnerungen. Richtig trennen kann ich mich von ihnen nicht, und so langsam müllen sie mein Lebenshaus zu. Dahinein kommt nun Gott, zu mir, bei der nicht alles korrekt und gut läuft. Ich bin sehr erleichtert, dass Gott keiner ist, der meckert oder Vorträge hält. Wie eine Freundin unterstützt Gott mich, schafft Platz zum Ausruhen und bringt Luft zum Atmen. Vermutlich wird sich in meinem Lebenshaus einiges wieder ansammeln, aber Gott will ja immer wieder zu mir kommen. Na dann: Fröhliche Weihnachten!
Gott kommt zu Besuch
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