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Jeder Tag wie Weihnachten
Dieser Tage traf ich einen Zeitgenossen in der Fußgängerzone. Er war mit Geschenken beladen und stiefelte durch die Stadt.
Neben mir, vor dem Schaukasten der Kirche, blieb er stehen, studierte die Plakate und las: »Es ist Heilige Zeit, denn Gott kommt Weihnachten zu uns Menschen. So?« brummelte er, »hm.« Finden Sie das nicht gut, dass Gott zu Ihnen kommt? rutschte es mir heraus. Er sah mich überrascht an.
O-Ton: Der ist ja immer da, bei mir.
Autorin: Ach so? Ich schaue prüfend in seine Richtung. Von Gott ist nichts zu sehen. Und der Mann selbst sieht auch nicht besonders heilig. Und Gott soll immer bei ihm sein? In den Augen des Mannes blitzt es.
O-Ton: Manchmal denk ich nicht dran, trotzdem ist er da.
Autorin: Aha? Gott ist da, auch wenn wir nicht an ihn denken? Das wird ja immer schöner. Aber woran merke ich das? Wie zeigt sich Gott? Mittlerweile haben sich zwei Frauen zu uns gesellt. Sie haben meine letzte Frage auch gehört.
O-Töne: Frau 1: Wie zeigt sich das? Ganz einfach, dass man besinnlicher ist, dass man sich freut, dass man... Ach, wissen Sie was, wir haben schon sehr viele Krankheiten hinter uns und sehr viel
Frau 2: Ja, das ist so 'ne Geschichte. Ich gehe auch in die Kirche, aber ich muss jedes Mal so sehr weinen, das ergreift mich so total und Weihnachten natürlich ganz besonders. Ja, dann denkt man an die Menschen, die nicht mehr um einen herum sind, gerade die Eltern, in diesen Tagen ist das ja ganz besonders so, dass man dran denkt.
Autorin: Krankheit, Verlust von geliebten Menschen, wenn es um Abschiede, um Tod geht, dann denken die Leute an Gott. Gerade in der Weihnachtszeit. Mich interessiert: Wie stellen sie sich das vor, dass Gott kommt? Ein Ehepaar, das inzwischen unsere Runde vergrößert, meldet sich zu Wort.
O-Töne: Ehefrau: Ich hab da keine große Vorstellung, ich nehme nicht an, dass er ganz menschlich wäre, nicht so wie wir alle. Schon bisschen anders. Ehemann: Ich kann mir das nicht so richtig erklären, aber das warte ich einmal ab, ne!
Autorin: Da mischt sich der Zeitgenosse wieder ein: Abwarten, auf Gott warten, nee, nee, das brauche er nicht mehr.
O-Ton: Manchmal merk ich das nicht, aber ich weiß, dass er bei mir ist.
Autorin: Mensch, er hat es gut: Für den Zeitgenossen, der an Gott glaubt, ist eigentlich immer Weihnachten, also immer heilige Zeit, Zeit, in der Gott nahe ist.
Jeder Tag wie Weihnachten
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