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Mache dich auf und werde Licht!
Der erste Advent. Heute beginnt eine besondere Zeit. Die erste Kerze am Adventskranz brennt. Das Dämmerlicht am Morgen und die frühe Dunkelheit am Abend
werden heimeliger beim Kerzenlicht. Erinnerungen werden wach und Vorfreude regt sich. Es duftet nach Tannengrün und im Herzen regt sich Sehnsucht nach Geborgenheit und danach, zur Ruhe zu kommen, Stille zu finden. Keine bedrückende Stille, nein, eine gute, eine, die ein bisschen glücklich macht. Advent heißt Ankunft. Advent ist eine Zeit, die auf Weihnachten zielt, aber doch auch weit darüber hinaus: Gott kam in die Welt als Kind in der Krippe, das werden wir feiern. Er kommt auch heute zu uns, in der Adventszeit spüren wir das vielleicht besonders. Und Gott wird kommen am Ende der Zeit, daran will die Adventszeit auch erinnern. Ich grüße Sie, lieber Hörer, liebe Hörerin. Ich bin Renate Kirsch, lebe in Oberbayern und gehöre zur Evangelischen Kirche.
1.MUSIK: Macht hoch die Tür, Strophe 1
Autorin: In vielen Kirchen wird an diesem Sonntag das Lied Macht hoch die Tür gesungen. Es ist so etwas wie eine Ouvertüre: Jetzt geht es los mit der Adventszeit! Allerdings rieselt die weihnachtliche "Klingelingmusik" schon längst die Kaufhausetagen herab. Und die Weihnachtsmänner stehen seit Wochen schon im Schokoladenregal Spalier neben Lebkuchen und Spekulatius. Unser Adventskerzlein wird überstrahlt von Lichtkaskaden auf Straßen und Fassaden. Weihnachtsstimmung grell, laut, bunt. Der ganze Rummel was hat der noch mit Advent und Weihnachten zu tun? Ganz viel! wandte dieser Tage eine Freundin ein. Ob die Geschäftsleute und auch die Kaufenden das immer wissen, ist eine andere Frage. Aber was wäre denn das Weihnachtsgeschäft ohne die Geburt Jesu, die wir Christen immerhin noch feiern? Und uns darin nicht beirren lassen. Wir müssen den Rummel ja nicht mitmachen. Liebe Hörerin, lieber Hörer, deshalb gehe ich im Advent auf Spurensuche: Auch im Geschäftslärm dieser Wochen lässt sich noch etwas finden von der Botschaft der Bibel. Weihnachten ist nicht kaputt zu kriegen, glauben Sie es!
2.MUSIK: Weil Gott in tiefster Nacht erschienen
Autorin: Meine Spurensuche beginnt beim Licht. Unsere Wohlstandwelt ist eine Lichterwelt: Neonröhren, Halogenlampen, Laserstrahlen und Flutlicht haben es dennoch nicht vermocht, das Kerzenlicht lächerlich zu machen. Wir zünden Kerzen an, wenn wir Gottesdienst feiern, wenn wir fürbittend an einen lieben Menschen denken, an Unglücksstellen zeigen brennende Kerzen unsere Betroffenheit und Lichterketten können Protest oder Hoffnung symbolisieren. Und heute, die erste Kerze am Adventskranz kann zu Herzen gehen. Ich bin das Licht der Welt, sagt Jesus im Johannesevangelium. Dass das längst nicht allen Menschen einleuchtend ist, weiß auch der Evangelist, wenn er zuvor sagt: Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat´s nicht ergriffen. Vielleicht müsste man heute sagen: Das Licht scheint ins grelle Überblendlicht und die finstere Helligkeit bemerkt gar nichts.
Als Lehrerin habe ich mich immer gefreut, wenn ich in der Adventszeit die erste Stunde mit einer Kerze beginnen konnte. Kalt erleuchtetes Klassenzimmer, beim Hereinkommen schalte ich das Licht aus großes Geschrei. Nun ganz schnell die Kerze angezündet. Man sieht ja gar nichts, eine winzige Kerze reicht doch nicht! - Wartet mal einen Augenblick! Und im Staunen, wie das Licht einer einzigen Kerze den Klassenraum erhellt, als ihre Augen sich darauf eingestellt haben, vergessen sie zu toben. Alle werden und bleiben still und hören gesammelter zu als sonst, die ganze Schulstunde hindurch. Ein Licht ist uns aufgegangen: Licht kann uns verwandeln, so wie uns Gott verwandeln möchte. Advent Gott kommt zu uns.
3.MUSIK: Macht hoch die Tür, Strophe 5
Autorin: Was wäre die Advents- und Weihnachtszeit ohne leckere Plätzchen? Ohne verführerische Makronen, Zimtsterne, Mürbeteigherzen und Kringel mit Zuckerguss? Letztlich ist Weihnachtsgebäck ein Abkömmling alter Klostergebäcke seien es nun Aachener Printen, niederländischer Spekulatius oder Nürnberger Lebkuchen.
Wie soll denn nun die Spurensuche weitergehen, werden Sie vielleicht fragen, Gottesbotschaft im Lebkuchen? Ganz so drastisch denn doch nicht. Aber im Lebkuchen steckt das Wort Laib, Brotlaib drin, also Brotkuchen. Das Brot als Nahrung des Leibes, aber mit Jesu Wort Ich bin das Brot des Lebens auch Nahrung der Seele, des ganzen Menschen. In der Weihnachtszeit werden spielerisch und verlockend kleine Brote zum süßen Nachtisch. So war es zumindest in den Klöstern einst gedacht. Gott wird Mensch, das kannst du dir auf der Zunge zergehen lassen. Allerdings nicht in der Adventszeit, die ja eigentlich eine Besinnungs- und Fastenzeit ist. Der süße Lebkuchen ist ein Dauergebäck, sein Teig braucht lange, bis er fertig ist, das kann Wochen oder Monate dauern. Wie der Spekulatius, wie die Printen. Sie können warten bis Weihnachten. Warten und Erwarten gehören zum Advent.
4. MUSIK: Die Nacht ist vorgedrungen, Strophe 1
Autorin: Der erste Weihnachtsschmuck nach dem Krieg, an den ich mich als Kind erinnern kann, waren ausgeschnittene Sterne. Die Älteren falteten Tütensterne, so genannte Fröbelsterne aus Papier manchmal auch noch aus den silbrigen Streifen, die die englischen Bomber zur Flugirritation abgeworfen hatten. Wir Kinder hoben ja alles auf. Später waren die Sterne aus gebügeltem Stroh und aus glänzendem Goldpapier. Sterne aber mussten es allemal sein, das war doch klar, denn schließlich hat der Stern über dem Stall von Bethlehem den Weg zum Jesuskind gewiesen.
Als man den gelben Stern als Brandmal am Kleid der Juden im Dritten Reich erfand, ist nur wenigen bewusst geworden, dass in Deutschland dieses Jesuskind auch einen Judenstern hätte tragen müssen. Hat etwa deshalb das gabenbringende Christkind bei uns mehr Karriere gemacht als das Judenkind Jesus in der Krippe von Bethlehem?
Zur Zeit der gotteslästerlichen gelben Sterne besang man gerne zu Weihnachten in sentimentaler Ergriffenheit den Sternenhimmel über lodernden Flammen und treuen Mutterherzen. Hohe Nacht der klaren Sterne, die wie weite Brücken stehen... tönte es zum leergeräumten Himmel empor. Die Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen ohne Unterschied gefror in dieser Zeit. Heute sind Sterne ein "Muss" in der Adventszeit. Von kostbar bis kitschig glitzern und flimmern sie bei jeder Weihnachtsdekoration in Stadt und Land. Weihnachten ohne Sterne, das geht doch gar nicht!
Allerdings kommt die Bibel in ihrer Weihnachtsbotschaft ganz gut ohne Sterne aus. Die Hirten, denen die Engel den Heiland der Welt, geboren in einer Futterkrippe, verkünden, brauchten keinen Stern als Wegweiser. Sie kannten sich aus in den Ställen von Bethlehem und so fanden sie zielsicher beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Die Weisen aus dem Morgenland kannten sich als Sterndeuter am Himmel aus: Nur ein Stern, ein ganz besonderer, neu erschienener, konnte sie auf die Spur des neugeborenen Königs setzen und zum Stall mit dem Stern oben drüber führen. Der Stern als Wegweiser. Schön. So sieht die Bibel übrigens von Anbeginn der Welt die Funktion der Sterne: Laternen und Wegweiser am Himmel. Mehr nicht.
Und wenn die Christen an Weihnachten feiern, dass mit Jesus der Himmel auf die Erde gekommen ist, dann sind Sterne all die hübschen, großen und kleinen, bunten und glitzernden eine wunderschöne Dekoration. Mehr müssen sie nicht sein. Wenn sie für den einen oder die andere ein Wegweiser werden auf Gottes Advent umso besser. Ich wünsche uns, liebe Hörerinnen und Hörer, dass unser Weg durch die Adventszeit, die heute beginnt, unter einem guten Stern stehen möge. Mache dich auf, werde licht, fordert Jesaja, Prophet in dunklen Zeiten, von seinem Volk im Blick auf Gottes Kommen. Mache dich auf zu Menschen in deiner Reichweite, mache es hell und warm für sie, werde ein Licht für Traurige und Einsame.
5. MUSIK: Mache dich auf und werde Licht
Autorin: So könnte der Advent uns viele kleine oder auch große Sternstunden schenken unangefochten von all dem grellen und lauten Betrieb dieser Wochen bis Weihnachten. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Advent und grüße aus Brannenburg an Inn, Ihre Renate Kirsch von der Evangelischen Kirche.
Angaben zur Musik: Macht hoch die Tür - Weihnacht der Romantik Rias Kammerchor LC 7045 Weil Gott in tiefster Nacht erschienen - Die Nacht ist vorgedrungen Wuppertaler Kurrende LC 6314 Die Nacht ist vorgedrungen vgl.2. Mache dich auf und werde Licht Musik zum Weltgebetstag Polen 2005, alle Rechte bei: Deutsches Weltgebetstagskomitee e.V., Deutenbacherstr.1 90547 Stein
Mache dich auf und werde Licht!
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