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Bilder Gottes
Was tun Sie, wurde Herr K. gefragt, wenn Sie einen Menschen lieben? Ich mache einen Entwurf von ihm, sagte Herr K. und sorge, dass er ihm ähnlich wird.
Wer? Der Entwurf? Nein, sagte Herr K., der Mensch.
Autor: Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Ich verstehe diese kleine Geschichte von Bert Brecht so: ein Mensch ist immer mehr als der Entwurf, den ich mir von ihm gemacht habe. Dieses Schicksal teilt auch der Mensch gewordene Gott, an den Christen glauben, mit seinen Menschen. Ja! Auch Gott ist immer größer als der Entwurf, den ich mir von ihm gemacht habe.
Zwar heißt es: Du sollst dir kein Bildnis machen! Aber das widerspricht meiner Lebenserfahrung. Ich kann ja gar nicht anders! So, wie ich immer ein bestimmtes Bild von Menschen habe, habe ich immer auch eines von Gott. Und so geht es nicht nur mir. Die Bibel selbst ist voll von Bildern für Gott. Wir können von Gott gar nicht anders als in Bildern sprechen. Das ist so und birgt doch eine Gefahr. Wenn ich mir ein Bild mache, dann passiert das nämlich ganz leicht: ich halte dieses Bild für das Eigentliche. Nun ist es so: religiöse Menschen bringen das, was sie erleben, mit Gott in Zusammenhang. Allerdings: manche Deutungen, die Menschen im Laufe der Zeit gewagt haben, sind wenig glücklich! Und noch dazu wenig glücklich machend. Mancher Entwurf, den sich Menschen von Gott gemacht haben, hat den Zugang zu ihm erst recht schwer gemacht.
Da ist zum Beispiel das Bild von Gott, der oben im Himmel sitzt und alles sieht. Es hat in der Erziehung von Kindern viel Unheil angerichtet. Denn wer Gott für einen Ober-Kontrolleur hält, der kann sich nicht frei bewegen. Ich weiß: manche Eltern haben in ihrer Hilflosigkeit auf diesen Entwurf Gottes zurückgegriffen. Wenn die eigene Autorität nicht ausreichte. Aber: wollen sie mit einem solchen Kontrolleur näher in Kontakt kommen? Ich nicht. So einen Gott kann man doch eigentlich nur hassen.
Oder das Bild von Gott als dem Rächer. Wenn Gott einer ist, der Rache übt, wie kann ich da sicher sein, dass seine Rache nicht auch mich einmal treffen wird? Und wie können da andere Menschen vor mir sicher sein, dass sie nicht meiner Rache zum Opfer fallen? Wieder ein anderes Bild ist das von Gott als Richter. Für manche Menschen ist das ein wirklich angst besetztes Bild. Denn es quält sie der Gedanke: wenn ich irgendwann einmal vor dem Richter stehe, wie kann ich da bestehen? Ich weiß ja, dass ich versage und anderen Menschen manches schuldig bleibe.
Also, frei nach Brecht: was tun sie, liebe Hörerinnen und Hörer, wenn sie Gott lieben? Gut, sie machen einen Entwurf, ein Bild. Das geht auch nicht anders. Aber fragen Sie sich doch einmal, wie dieser Entwurf aussieht und was sie über Gott denken. Ist es ein freundlicher Gott? Oder macht er ihnen Angst? Können sie sich ihm anvertrauen oder wollen sie mit ihm eigentlich eher gar nichts zu tun haben? Ich wünsche Ihnen und auch mir selbst, offen und empfänglich bleiben zu können für die Lebendigkeit Gottes. Mit dem Mensch gewordenen Gott ist es eben wie mit uns Menschen! Gott ist immer größer und anders, als der Entwurf, den ich mir selbst gemacht habe.
Bilder Gottes
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