Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.12.06, 8.56 Uhr, Pfarrer Frank Küchler

Gott der Hoffnung

Man muss immer hoffen – guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Man muss immer hoffen – das höre ich bei meinen Besuchen im Krankenhaus.

Menschen erzählen von ihrer Hoffnung auf Heilung oder wenigstens Linderung ihrer Krankheit. Oft sind es die kleinen alltäglichen Hoffnungen, von denen erzählt wird. Die einen hoffen auf eine ruhige Nacht. Die anderen, dass die Schmerzen nachlassen, Wieder andere hoffen, dass das Medikament endlich wirkt. Wenn jemand unheilbar krank ist, dann ist es die Hoffnung, beim Sterben nicht allein zu sein. Oder auch die Hoffnung, diese Welt einmal  in Würde zu verlassen.
 
Hoffnung ist eine starke Kraft, das merke ich immer wieder. Sie hilft dem Menschen, die gegenwärtige Situation nicht als gegeben hin zu nehmen. Hoffnung hofft auf Neues, auf Veränderung.  Ich staune immer wieder neu über die Kraft der Hoffnung, die einen Menschen erfüllen kann. Die Hoffnung ist nicht so schnell klein zu kriegen. Sie findet sich nicht mit dem ab, was ist, sondern entwirft eine neue, eine andere Zukunft. Das kann eine nahe oder auch eine weiter entfernte Zukunft sein. Je nach dem.

Deshalb ist es im Krankenhaus auch so etwas wie ein gemeinsames Anliegen all derer, die dort arbeiten, dass ein Patient Hoffnung hat.  Oder, dass sie wieder neu wachsen kann, wenn sie verloren gegangen ist. Ohne Hoffnung kann ein Mensch nämlich  auf Dauer nicht  leben. Wenn Menschen mich fragen: wo ist Gott in all dem Elend? Dann antworte ich: da wo ein Mensch hofft. Ich glaube nämlich: die Hoffung ist eine Kraft, die von Gott kommt und die den Menschen stark macht. Sie hebt mit göttlicher Kraft den Menschen über den Augenblick hinweg in eine andere Zukunft.

Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, unser Gott ist ein Gott der Hoffnung. Er ist in der Hoffnung lebendig und gegenwärtig, die Menschen in ihrem Herzen haben und spüren. Wenn  das stimmt, dann ist Gott natürlich auch bei den Menschen, denen Gott fremd ist oder für die er weit weg ist. Aber: als Hoffnungskraft ist er allen Menschen nahe. Auch denen, die gar nicht mit ihm rechnen. Wenn ein Mensch wieder  neu Hoffnung geschöpft hat, dann ist das freilich ein Geheimnis. Es geschieht einfach. Es ist faszinierend, das zu erleben. Man kann es nicht erklären und kaum in Worte fassen. Das liegt daran, dass Hoffnung durch Bilder gespeist wird, die in uns sind. Zum Beispiel dieses Bild: Menschen sind zu Gast am Tisch Gottes. Sie bilden eine Gemeinschaft untereinander und mit Christus. Sie teilen Brot und Wein. Das geschieht  sonntags in unseren Gottesdiensten. Auch an vielen Krankenbetten in den Kliniken übrigens.

Freilich: noch gibt es Krankheit, Leid und Schmerz. Noch führen Menschen Krieg. Noch gibt es Rassismus und Vorurteile, Angst vor dem Fremden. Noch sind Neid, Hass, Gewalt,  Geiz  und  Gier unter uns und Geld regiert die Welt. Aber wenn wir Brot und Wein miteinander teilen, dann teilt sich damit auch eine Hoffnung mit.  Das Abendmahl ist, so könnte man sagen, ist eine szenische Darstellung der versammelten hoffenden Gemeinde. Es ist  aber zugleich auch ein  wunderbares Bild der Hoffnung für die Zukunft Gottes mit seinen Menschen. Im Teilen von Brot und Wein nehmen wir sozusagen Gottes Zukunft mit den Menschen schon vorweg. Wir üben uns ein in Gottes Zukunft. Da nämlich werden die Menschen aller Völker eines Tages an einem Tisch sitzen. Sie machen sich nicht mehr gegenseitig das Leben schwer. Sie geben vielmehr das Gute, das von Gott kommt – symbolisiert durch Brot und Wein –  einander  weiter und sorgen füreinander.

Audiobeitrag Gott der Hoffnung


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