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Sehnsucht nach Gott
Es war einmal eine Frau, der hatte Gott versprochen, sie zu besuchen. Darauf war sie nicht wenig stolz. Sie scheuerte und putzte, buk und tischte auf.
Und dann fing sie an, auf Gott zu warten. Da klopfte es an der Tür. Sie öffnete schnell und sah einen armen Bettler vor ihrer Tür stehen. Dem sagte sie: nein, geh deiner Wege! Ich warte auf Gott, ich kann dich nicht aufnehmen. Nach einer Weile klopfte es von neuem und danach noch einmal. Beide Male waren es Menschen, die sie um Unterstützung baten. Beide hatte sie abgewiesen. Sie hatte keine Zeit, denn sie wartete ja auf Gott. Als es Abend geworden war, war Gott immer noch nicht gekommen. Bekümmert und enttäuscht ging sie zu Bett und schlief bald ein. Im Traum aber erschien ihr Gott und sagte: dreimal habe ich dich besucht, und dreimal hast du mich abgewiesen.
Autor: Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Diese kleine Geschichte passt gut in die Adventszeit. Advent, auf Deutsch: Ankunft. Vielleicht ist es die Zeit, in der bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Gott am größten ist. So wie bei der Frau in der Geschichte. Sie sehnte sich nach Gott und hatte viele Vorbereitungen getroffen. Schließlich hatte Gott ihr versprochen, sie zu besuchen. Da wollte sie sich angemessen vorbereiten. Es ist ja verrückt! Obwohl wir in einer Zeit leben, in der die Kirchen immer mehr an Bedeutung verlieren, wollen Menschen dennoch gerne mit Gott in Kontakt kommen. Sie versuchen das auf eigene Faust und auf vielfältige Weise. Manche Menschen nehmen viel auf sich, um Gott näher zu kommen. Irgendwie haben sie eine Idee, wie das geht, Gott zu treffen, ihm nahe zu sein. Einige meinen beispielsweise: wenn sie sich in einer schönen Landschaft bewegen, dann fühlten sie sich Gott besonders nahe. Die kleine Geschichte sagt mir: Ich kann viel unternehmen, um Gott zu begegnen. Ich kann viel auf mich nehmen. Aber Gott ist immer gut für eine Überraschung. Er ist vielleicht gerade dort, wo ich ihn am wenigsten vermute.
Er kann mir sogar in einem zerlumpten Bettler begegnen, der mir auf die Nerven geht und den ich nur loswerden will. Soll das heißen: Gott wohnt im Elend? Könnte sein, wenn ich an die Krippe denke und den stinkenden, kalten Stall von Bethlehem. Auf jeden Fall ist er immer dort, wo Hilfe und Unterstützung gebraucht wird. Halte dich also offen für die Ankunft Gottes. Rechne damit, dass Gott dir dort begegnet, wo du gar nicht mit ihm rechnest. Der Knackpunkt der Geschichte liegt in dem Überraschungsmoment! Gott sagt zu der Frau: ich komme. Aber wie, wann und wo er ankommt - das hatte er ihr nicht verraten. Dass er als zerlumpter Bettler an ihre Tür klopfen würde, tja, das hätte sie nie gedacht. Das geht ihr auch erst im Traum auf. Als Gott mit ihr spricht und ihr die Geschehnisse deutet.
Ich fühle mich durchaus mit der Frau in der Geschichte verbunden. Anders gesagt: ich komme in dieser Geschichte auch vor. Ich habe mir ja auch so meine Gedanken gemacht, wo Gott ist. Wie ich ihn finden könnte. Ich rechne mit Gott auch in meinem Alltag. Und doch so sagt die Geschichte - könnte es mir passieren, dass ich Gott verpasse. Seine Ankunft verpasse, den Advent verpasse. Im Kopf ist das alles klar: meine christliche Religion und die Zuwendung zum Mitmenschen gehören für mich zusammen. Das eine soll nicht ohne das andere sein. Doch die Praxis ist der Ernstfall. Und hier bleibe ich dahinter oft genug zurück. Um im Bild der Geschichte zu bleiben: da kann es sein, dass ich einen anderen, der mich um Hilfe bittet, einfach abblitzen lasse. Die Geschichte von der Frau, die auf Gott wartete, erinnert mich daran: da, wo die eigene Frömmigkeit mich daran hindert, den Menschen zu sehen, verpasse ich Gott. Aber da, wo meine eigene Aktivität Gott aus den Augen verliert, verpasse ich ihn auch und bleibe allein mit meiner Sehnsucht. Das Gute ist: Gott korrigiert mich. So wie er die Frau in der Geschichte korrigiert, indem er ihr im Traum erscheint. Das kann wehtun. Das kann auch mit Enttäuschungen verbunden sein. Hilft aber! Denn schließlich soll mein Glaube ja lebendig bleiben. Er soll wachsen und reifen. So wie ich auch in anderer Hinsicht wachse und reifer werde. Hoffentlich.
Sehnsucht nach Gott
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