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Gesunheitsreform
Gesundheitsreform- wörtlich genommen müsste es dabei um ein neues Verständnis von Gesundheit gehen.
Zum Beispiel so, wie ich es vor vielen Jahren im Senegal während eines Praktikums erlebt habe. Ich musste damals ins Krankenhaus und auf meinem Zimmer lag außer mir noch eine Koreanerin. Eines Morgens kam ihr Arzt, behandelte sie und fragte am Schluss: Was kann ich jetzt noch für Sie tun? Da sagte sie doch tatsächlich: Mein Mann soll mir eine Fischsuppe kochen. Hier im Zimmer. Auf einem Campingkocher. Ich dachte, ich hör nicht richtig! Allein der Geruch! Inzwischen habe ich jedoch verstanden, warum der Arzt ihre Bitte erfüllt hat. Eigentlich ging es ja gar nicht um die Suppe. Die Frau wollte liebevoll versorgt werden und dafür war die Suppe eben ein Zeichen. Klar, dass der Arzt ihr solche Zuwendung nicht geben konnte. Das war auch gar nicht seine Aufgabe. Aber er konnte sie ihr ermöglichen. Denn er sah, dass diese Frau noch etwas anderes brauchte als Schiene und Tropf.
Manch ein Arzt, Apotheker oder Patient in Deutschland hätte auch gerne solche Freiräume. Zum Reden. Um mitzukriegen, was für ein Mensch vor einem steht. Und auch für ungewöhnliche Behandlungsmethoden. Die zwar nur zu diesem einem Menschen passen, aber ihm oder ihr besonders gut tun. Unser medizinischer Alltag läuft meist jedoch nach anderen Regeln. Ausführliche Beratungsgespräche stehen in der Rangliste weit unten. Sie kosten viel Zeit und werden nur schlecht vergütet. Stattdessen sind oft technische Apparate und immer neue Medikamente die Mittel der Wahl. So wird in unserem Land Gesundwerden immer teurer. Und es muss kräftig gespart werden.
Die neue Gesundheitsreform setzt darum auf stärkere Beteiligung der Patienten. Wer Krankheiten selbst verschuldet, soll finanziell zu seiner Heilung beitragen. Das leuchtet zwar ein, klingt aber wie eine Strafe. Von Jesus ist überliefert, wie Beteiligung der Patienten auch positiv geht. Und nicht erst am Ende eines Heilungsprozesses erfolgt. Eines Tages riefen ihn zwei Männer, die offensichtlich blind waren. Als Jesus sich ihnen zuwandte, stellte er ihnen die Frage: Was wollt ihr, dass ich für euch tun soll? Er fragt so merkwürdig, weil er nicht in ihrer Haut steckt. Zwar sieht er, dass ihre Augen blind sind und eine Heilung nahe liegt. Aber genauso gut könnte es sein, dass sich die Männer von ihm einen Segen wünschen. Oder ein vermittelndes Gespräch mit ihren Angehörigen.
Jesus weiß nicht, wie sie sich fühlen. Darum sollen sie ihm selbst sagen, was er für sie tun soll. Erst als er darüber Klarheit hat, kann er die Männer heilen. Nun haben Ärzte zwar keine Heilkräfte, wie sie von Jesus berichtet werden. Aber seine Art mit kranken Menschen zu sprechen, ist durchaus nachahmenswert. Zum Beispiel gibt es im holländischen Gesundheitssystem zu Jesu Frage eine interessante Parallele. Dort sind viele Hausärzte für Gespräche mit Patienten besonders geschult. Bevor sie sie medizinisch behandeln, stellen sie die sogenannte zentrale Hilfefrage. Und finden mit ihren Patienten gemeinsam heraus, was sie wirklich brauchen. Danach leiten sie sie zu der Stelle, an der sie mit ihrem Problem, was manchmal gar kein medizinisches ist, am besten aufgehoben sind. Das ist gut für die Patienten und senkt gleichzeitig die Kosten. Solche Freiräume für die Begegnung von Ärzten und Patienten wünsche ich mir auch in unserem Land. Dann hätten wir eine Gesundheitsreform, die man wörtlich nehmen kann.
Gesunheitsreform
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