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Nach Hause telefonieren
Früher hatten Telefone noch Wählscheiben. Ein neues Telefon kaufte man sich, wenn es kaputt war, also alle 20 Jahre und nicht,
weil gerade der Mobilfunkvertrag verlängert wurde. Früher kam mein Vater mit einer Miniatur-Kabeltrommel mit 5-Meter Telefonverlängerungskabel stolz nach Hause: Jetzt können wir auch in der Küche telefonieren!
Mein erstes eigenes Telefon war vom Flohmarkt, Olivegrün mit mehrfach geflicktem Kabel, das häufiger kaputt war, als das es funktionierte. Aber ich konnte telefonieren. Mit meinen Freundinnen, stundenlang. Und auch mit Mama, die sich immer Sorgen macht. Das grüne Ding war mein Tor zur Welt. Heute vor 24 Jahren kam ein Film in die Kinos, der zeigte, dass es auch ein Leben ohne Telefonkabel geben konnte: E.T. der Außerirdische.
Dieser Außerirdische streckte seinen Finger in die Luft bis er glühte. "ET nach Hause telefonieren." So einfach sollte Verständigung sein. Klappte nur nicht. Und das konnte E.T. gar nicht verstehen. Weil Verständigung für ihn so einfach war.
Heute telefoniere ich weltweit, schnurlos für wenige Cents und ab und an auch nach Hause. Nach Hause telefonieren: eigentlich eine ganz gute Umschreibung fürs Beten. Sozusagen eine Verbindung mit Gott aufnehmen. Nur ohne Kabel und ohne Display. Hände falten bis zum Glühen? Wer hört das? Gott hört zu auch ohne Hörer. Es braucht nur ein paar Worte von mir.
Sprecher: Michael Birgden
Nach Hause telefonieren
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