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Kleine Helden
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Jeder sehnt sich wohl nach Geborgenheit. Ein Urbild für Geborgenheit habe ich einmal in meiner Zeit als Jugendpastor erlebt.
Da gehörte es zu meinen Aufgaben, die Jungschar auf ihren Zeltlagern zu begleiten. Da saßen nun die 8 10 jährigen Jungs um das Lagerfeuer herum und besprachen die Nachtwanderung, die gleich beginnen sollte. Sehr engagiert zeigten da einige, mit welchen Tritten und Verteidigungen sie sich der Bösewichter erwehren würden, die ja bekanntlich im finsteren Walde auf kleine Jungs lauern. Ich sollte mir auch keine Sorgen um mich machen, ein Taschenmesser gehöre zur allgemeinen Bewaffnung. Als wir dann aber den Feuerschein verließen und in die Dunkelheit traten, wurde es merklich ruhiger und ganz schnell klammerten sich viele kleine Hände an meine Windjacke und in jeder Hand hatte ich mehrere kleine Hände. So war es doch etwas sicherer für meine kleinen Helden und auch die tapfersten von ihnen achteten sehr darauf, nahe an mir dran zu bleiben.
Das ist mir als ein Urbild von Geborgenheit in Erinnerung geblieben: Da ist jemand, der mir auch in der Dunkelheit nahe ist und dessen Hand nicht weit ist, wenn ich sie brauche. Der weiß den Weg und der kämpft für mich, wenn es sein muss. Das Vertrauen auf den Gott, der für mich da ist und für mich sorgt, das kann so eine Geborgenheit vermitteln. Und zwar auch bei sehr erwachsenen und selbständigen Menschen. Psalm 23 zum Beispiel findet Worte, die bis heute ihre Kraft auch in den schwersten Stunden entfalten: Der Herr ist mein Hirte. ..Und ob ich schon wanderte im finsteren Tag der Todesschatten, fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir, Dein Stecken und Stab trösten mich.
Das ist keine Theorie, das ist kein Kopf hoch, wird schon werden und erst recht kein Pfeifen im Walde. David, der berühmteste König im alten Israel, dem dieser Psalm zugeschrieben wurde, hat das erlebt und durchlebt. Denn oft genug war da nicht mehr in seinem Leben geblieben als die Hoffnung, dass da ein guter Hirte über ihn wacht, der sogar dann ganz nahe ist, wenn er ihn nicht sehen kann. Als ich einmal in Jerusalem war, hab ich die Grabstätte besucht, an der Davids gedacht wird. Neben all den anderen Gedenkorten, die in Israel überreich zu finden sind und die zum großen Teil mit unsäglichem Religionskitsch befrachtet der Touristenscharen harren, fand ich hier Menschen vor, die weinten und denen man ihre Verbundenheit mit diesem längst verstorbenen König Israels abspüren konnte.
Ich habe sie gut verstanden und fühlte mich ihnen nahe. Denn was Psalm 23 in unvergleichlicher Weise ausdrückt, gehört auch zu meiner Lebenserfahrung und der vieler anderer Christen: Da ist ein guter Hirte, der über mich wacht, der auch in dunkelsten Stunden nahe ist und in dessen Geborgenheit ich bleiben darf.
Kleine Helden
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