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Pensioniert im Knast
Es regnet. Und ziemlich kalt ist es auch heute. Mehr Winter als Herbst.Wirklich kein Wetter an dem man gerne - wie man sagt vor die Tür geht.
Rainer Schmidt geht vor die Tür und fährt in den Knast. Auch bei diesem Wetter. Dabei hat er es nun wirklich nicht mehr nötig, sich auch unter diesen Bedingungen auf den Weg zu machen. Denn gearbeitet hat er lange genug.
O-Ton: Ich habe bis zu meinem 65. ten Lebensjahr gearbeitet. Ich war Ingenieur und ich habe mir ... rechtzeitig genug Gedanken gemacht, wie ich die mir zusätzlich zur Verfügung stehende Zeit ... nutzen könnte, um meine Fähigkeiten und Neigungen sinnvoll zu nutzen.
Autor: Rainer Schmidt arbeitet ehrenamtlich mit, in der Betreuung Gefangener und Ihrer Angehöriger. Die Kirchen im Gefängnis bieten eine Gruppe an, die regelmäßig Gefangene besucht, die draußen keinen Menschen mehr haben, oder mit denen einfach keiner mehr etwas zu tun haben will. Und dieser Gruppe hat er sich angeschlossen. Aber warum gerade ehrenamtliche Arbeit im Gefängnis? Es gibt doch schließlich jede Menge andere Dinge um die zusätzlich zur Verfügung stehende Zeit wie Rainer Schmidt sagt sinnvoll zu nutzen. Eine lange Reise mit der Ehefrau z.B. oder sich mit Ruhe und Zeit den Enkelkindern zu widmen, oder, oder, oder. Eben so, wie viele Pensionäre ihre Zeit nun ausfüllen. Reisen und sich um die Enkelkinder kümmern - alles Dinge, die Rainer Schmidt auch tut. Und er geht ins Gefängnis. Warum er das tut:
O Ton: ...Das sind Gedanken die von meiner Frau, die von der Arbeit meiner Frau gekommen sind. Meine Frau betreut schon seit vielen Jahren Inhaftierte in verschiedenster Form und für mich ergab sich dann eben die Sache so, das ich die Einzelbetreuung übernommen habe.
Autor: Neben dem Engagement seiner Frau, das sein Interesse weckte, ist es sein christlicher Glaube ist, der ihn motiviert Gefangene zu besuchen. Der Satz Jesu aus dem Mattheusevangelium (25,36): Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr habt mich besucht. hat ihn nachdenklich gemacht und so sagt Rainer Schmidt von sich:
O Ton: ...Ich denke zum Christsein gehört nicht nur das Wort, sondern auch die Tat...Und mir macht eben die Arbeit mit Menschen Spaß...
Autor: Spass im Gefängnis? Wohl eher weniger. Aber es scheint doch etwas Besonderes zu sein, was er dort erlebt:
O-Ton: Ich habe beispielsweise einen Gefangenen bis zu seiner Entlassung betreut. In verschiedenen Situationen, in verschiedenen Gefängnissen und dann ist das natürlich schon ein besonderes Erlebnis, wenn man den dann an der Pforte abholt. Und ihn dann nach Hause bringt und dann sozusagen in sein freies Leben entlässt. Wenn man dann hinterher eine Rückmeldung bekommt mir geht es gut, ich habe wieder Fuß gefasst...Das sind schon Erlebnisse da kann man darauf zurückblicken.
Autor: Für Rainer Schmidt ging es zunächst, wie vielen Pensionären, darum seine neue Freiheit sinnvoll zu gestalten. Nun geht er manch inneren Weg mit Inhaftierten gemeinsam und manchmal äußere Wege mit Entlassenen. Freiheitswege. Wie ich meine für Beide. Auch wenn man dafür erst mal eine Tür öffnen und dann auch noch durch den Regen muss.
Pensioniert im Knast
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