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Robert Gernhardt stirbt
Das nennt man nicht eigentlich schlafen, wenn man stundenlang wach ist. Das nennt man nicht eigentlich Tiefe, wenn das Gedachte nur flach ist.
Das nennt man nicht eigentlich Händel, wenn die Kantate von Bach ist, das nennt man nicht eigentlich jauchzen, wenn das letzte Wort ach ist.
Autorin: Nicht eigentlich, ein Gedicht von Robert Gernhardt aus dem Buch Später Spagat. Es ist sein letzter Gedichtband. Gernhardt, Schriftsteller, Satiriker und Zeichner starb im Juli diesen Jahres im Alter von 68 an Krebs. Er hat ganze Kontinente des Komischen urbar gemacht, formulierte Roger Willemsen damals Bei ihm sei das Komische eine Haltung, die sich zum ganzen Leben verhält. Willemsen spielt an auf Gerhardts letzte Lebensjahre. Da machte er auch seine Krankheit und alles, wirklich alles, was durch sie auf ihn zukam, zum Gegenstand seiner Gedichte.
Zunächst in den K-Gedichten, zuletzt in Später Spagat.
Sprecher: "Man lebt ja immer mit einem Standbein und einem Spielbein. Und man kann den Spagat versuchen zwischen dem Lach-Bein und dem Wein-Bein. Man sollte es so lange versuchen wie es geht ",
Autorin: So erläuterte Gernhardt den Titel. Beim Leser will er eine untergründige Freude wecken. Daran, dass es ihm gelungen ist, Worte für das Schwersagbare zu finden.
Ein Ziel, das er erreicht hat. Gernhardts Gedichte geben Anstoss zum Gespräch, sie werden in der Hospizarbeit genutzt. So wie das viel beachtete Gedicht. Diagnose Krebs oder Alles wird gut
Sprecher: Erst kam der berühmte Schuss vor den Bug. Zuvor war ich dumm, Hernach war ich klug. Dann folgte der klassische Schlag ins Kontor. Darauf war ich klüger Als jemals zuvor. Undenkbar, dass solch einem Blitzklugen Mann Noch irgendein Tod Etwas anhaben kann.
Autorin: Eine einzige Grenze gibt es da, wo ich mich nicht auskenne" sagte Gernhardt auf die Frage, wo die Grenzen der Satire lägen. Seine Krankheit ist folglich keine. Schmerzen und Übelkeit während der x-ten Chemotherapie, Durchfall und Gewichtsverlust werden zum Inhalt seiner Gedichte. Und auch das erwartete Ende. "Vom Gewicht" schreibt er.
Sprecher: Trägst den Tod in dir? Trägst schwer. Tod ist nicht irgendwer: Wiegt. Stirbst wie nur je ein Tier? Nimms leicht. Tod wird durch nichts erweicht: Siegt.
Autorin: Nur -und das macht Gernhardts Texte so beeindruckend- er wirkt nicht wie ein Besiegter. Bis zuletzt -so scheint es- setzt er sich auseinander. Er hält den Stift in der Hand. Er gibt seine ureigenste Art, die Welt zu betrachten auch während seiner Krankheit nicht auf. Und macht so anderen Menschen Mut, ihre Gefühle angesichts des nahenden Todes auf die ihnen eigene Art und Weise auszudrücken.
"Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden", heißt eine Bitte in den Psalmen. Besonders im November gibt es eine Reihe von Gedenktagen, die uns helfen sollen, Tod und Sterben nicht aus unserem Leben zu verdrängen, sondern sie als Teil des Lebens zu begreifen.
So wie Robert Gernhardt es, meine ich, getan hat. Er hat mir oft geholfen, dass Leben leichter zu nehmen. Und zeigt mir heute, dass es möglich ist, eine Haltung gegenüber dem Leben auch im Sterben zu bewahren.
Und deshalb werde ich am nächsten Sonntag, dem Ewigkeitssonntag, wenn in den Gottesdiensten an die Menschen gedacht wird, die im vergangenen Jahr gestorben sind, auch und gerne noch einmal Robert Gernhardts Gedichte lesen.
Robert Gernhardt stirbt
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