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Hinter der Fassade
Das kennen nicht nur die Dreizehnjährigen, die sich gerne cool geben, obwohl sie sich gar nicht so sicher sind, das kennen alle:
wir wollen gerne gut dastehen. Wir wissen, wo es lang geht! Dafür geben wir uns selbstsicher und stark. Wir verbergen Gefühle und wenn wir gefragt werden, wie es uns geht, sagen wir meistens: Gut, und selbst? Nicht nur andere, auch uns selbst wollen wir manchmal glauben machen, wir wären der oder die, als die wir uns nach außen hin geben...
Das muss nicht nur Imponiergehabe sein. Wir können gute Gründe für das Spiel der Selbstinszenierung haben. Vielleicht sind wir verletzt oder müssen uns vor Verletzungen schützen. Wir lassen nicht durchblicken, wer wir in der tiefsten Seele sind und was das Herz empfindet. Dann ist die Fassade wichtig. Wir haben Angst sie zu verlieren. Denn bloß gestellt werden ist eine schlimme Erfahrung.
Zugleich wissen wir dabei: wir selbst bleiben im Schatten der Inszenierung zurück. Und tief in uns steckt der Wunsch, uns einmal so zeigen zu können, wie wir wirklich sind. Was also ist zu tun?
Viele verbieten sich diesen Wunsch. Dann wird die Fassade noch mehr gesichert, die Schlösser werden verstärkt, die Selbstkontrolle gesteigert. Druck ablassen? Höchstens einmal im Urlaub, wo keiner einen kennt. Oder auf einer exzessiven Fete. Das ist verständlich und manchmal vielleicht sinnvoll.
Gibt es eine Alternative? Meine erste Hilfe ist dies: Ich mach mir selber klar, dass ich nicht auf meine Fassade beschränkt bin. Ich bin unendlich mehr. Im Wettstreit der Selbstinszenierungen zu gewinnen, wäre kein wahrer Sieg. Aber mich selber hinter meinen Schutzwällen ehrlich kennen lernen, mich erkennen, das könnte mich weiter bringen.
Finde ich den Mut dazu? Als Christenmensch weiß ich im Grunde doch: Einer ist ohnehin, der mich durch und durch kennt. Besser als ich mich selbst kenne kennt mich Gott. Von der ersten Zellteilung bis heute. Und morgen auch.
Doch Gott nutzt das nicht schändlich aus. Er bietet mir an, dass mein verletzliches Ich, dass ich selbst geborgen bleibe. Er sieht mich an und sagt Ja zu mir. Er will mich aufbauen und mir einen guten Stand geben.
Er kennt meine Wege. Und sieht hinter aller Selbstinszenierung den Menschen. Er kennt unsere Versuche, andere oder auch uns selbst! - mit einer Maske zu täuschen. Er weiß, warum wir es tun. Und er erkennt dahinter doch immer diesen einen besonderen Menschen, der sich im Herzen danach sehnt, ein aufrechter, ein aufgerichteter Mensch zu sein; ein Mensch, der seinen Weg sucht. Darum geht ein Beter in der Bibel vor ihm in die Offensive und sagt: Gott, erkenne mich, du kannst alles anschauen und durchschauen; nicht nur das Äußere, auch alles, was bei mir dahinter steckt und dann, mein Gott, dann leite mich einen guten, einen verlässlichen Weg.
Hinter der Fassade
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