Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.11.06, 7.50 Uhr, Pfarrer Eko Alberts

Haus des Lebens

Das Haus unseres Lebens steht nicht ewig. Der Apostel Paulus nennt unser Dasein auf dieser Erde einmal eine Hütte, ein Zelt.

Das heißt: Wir leben auf Abbruch. Begrenzte Haltbarkeit. Verfallsdatum noch offen, aber bestimmt.

Weil wir Menschen diese Tatsache aber nur schlecht ertragen, setzen wir alles daran unser Leben zu verlängern oder denken uns eine Unsterblichkeit oder eine schier endlose Wiederkehr, eine Heimkehr in einen universalen Geist oder das Weiterleben in Kindern und Enkeln.

Die Botschaft der Bibel mutet uns zu, es stehen zu lassen: Einmal müssen wir unsere Zelte abbrechen. Unwiderruflich. Unser Geist muss davon, heißt es dann. Das ist das Eine.
Doch unser Geist und unser Leben auf Erden ist nicht alles. Die Bibel lässt uns auch wissen:
Der Geist Gottes, sein Geist des Lebens lässt uns sehen, was wir sonst nicht einmal ahnen könnten: Unser Leben wird sich mit dem Tod nicht im Nichts verlieren.

Dein gelebtes Leben verflüchtigt sich nicht im Weltraum,
du fällst nicht in ein bodenloses Loch;
du wirst auch nicht auf das Rad der Wiedergeburt geflochten, um in schier endlosem Kreisen deine Existenz zu wiederholen bis du endlich in rechter Erkenntnis und im rechten Tun den Pfad der Erlösung findest.
Nein, Gottes schöpferischer Geist macht dich neu.

Paulus deutet auch dies mit dem Bild eines Hauses an. Es ist ein Bauwerk aus Gottes Händen. Ein Haus, ein Leben mit Ewigkeitswert, ohne Verfallsdatum. „Wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.“ (2. Kor 5,1)

Was macht ihn da so sicher?
Weil Gott nicht erst dahinten, weit dahinten mit dem St. Nimmerleinstag auf uns wartet. Er holt uns schon in diesem Leben ab. Darum ist er in unser Erdenleben gekommen. Mitten unter unsere Lebenshäuser hat er sein Haus gesetzt.  Mitten unter uns sein Zelt aufgeschlagen. In Jesus Christus ist das geschehen. Der teilt unser Leben. So kennt er die Verletzlichkeit; er kennt unsere Sehnsüchte und die Angst vor dem Tod. Sein irdisches Haus wird abgebrochen, seine Hütte mit Gewalt zerstört – und dennoch bleibt da ein unauslöschlicher Eindruck des Lebens. Alles was töten und vernichten will, auslöschen und wegradieren, mag sich über ihn hermachen, das Grab sich für ihn öffnen und über ihn schließen – mit ihm kommt dennoch das Leben neu ans Licht der Welt. Weil er ganz auf Gott setzt und sich seinem Willen völlig überlässt. Da kann der Tod ihn nicht einmauern. Denn diesen Lebendigen kann der Tod nicht festhalten. Es muss seine Beute wieder freigeben. Sein Gefängnis ist gesprengt.

Seitdem können wir mit Paulus wissen: wenn unser Zelt, unser Nomadendasein auf dieser Erde abgebrochen wird, stehen wir nicht vor dem Nichts. Das ewige Haus des Lebens wird für uns geöffnet.

Audiobeitrag Haus des Lebens


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