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Sich fallen lassen
Komm, spring! Mama fängt Dich! rufe ich meinem zweieinhalb jährigem Sohn Marton zu.
Er steht mit seinen kleinen Beinchen etwas wackelig auf einem alten entwurzelten Baumstamm. Ganz alleine ist er hoch gekrakselt und den ganzen Baumstamm entlang geklettert. Nun weiß er aber plötzlich nicht mehr, wie er runter kommen soll. Ich stehe unten, strecke meine Arme nach ihm aus und kann ihn sicher auffangen. Nur springen muss er selber. Aber so einfach ist das nicht. Márton muss die Angst vor der Höhe überwinden und loslassen. Sich fallen lassen. Darauf vertrauen, dass ich ihn sicher auffangen werde. Darauf vertrauen, dass er sich nicht verletzen wird.
Erst werde ich etwas ungeduldig, verstehe nicht, warum er nicht einfach springt, dann muss ich lächeln. Mich erinnert die Szene an mich selbst und meine Beziehung zu Gott. In seine Arme springen, loslassen, sich darauf verlassen, dass er da ist. Das ist immer und immer wieder eine große Herausforderung für mich und erfordert Mut. Vor allem dann, wenn es mir nicht gut geht. Wenn es mir nicht gelingt, meine Ängste und Alpträume abzustellen und alles nur um Sorgen kreist.
Wenn ich abends vor´m Zu-Bett-Gehen schon weiß, dass es wieder eine kurze Nacht wird, weil ich die halbe Nacht mit Grübeln verbringe. Wenn ich morgens aufwache und keine Lösung der Probleme in Sicht scheint. Oder wenn Neuland zu betreten ist. Wenn in meinem Leben große Umbrüche vor der Tür stehen: ein Umzug oder eine neue Arbeitsstelle, dann ist sie wieder da, die Angst.
Ich will die Angst ja nicht gänzlich verteufeln. Sie erfüllt ja einen guten Zweck, sie lässt mich wachsam sein und vorsichtig und kann mich so vor Gefahren schützen. Aber wenn sie mich gefangen nimmt, dann wird der Alltag anstrengend. Dann kreist alles nur noch um Sorgen und die schönen Seiten des Lebens verblassen.
In der Bibel steht, dass Gott sagt: Sei tapfer und entschlossen! Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst! (Josua 1,9 ) Dies sagte Gott zu Josua, als er mit dem Volk Israel einen Fluss überqueren soll. Sie sollen Neuland betreten: Schritt für Schritt. Aber er zögert, hat Angst. Das beruhigt mich. Auch in biblischen Zeiten haben die Menschen Ermutigungen gebraucht, haben sich gegenseitig und durch Gottes Worte bestärken müssen. Aber letztlich hat sich Josua getraut. Ist losgegangen. Ohne zu wissen, was ihn erwartet.
Mein Sohn ist dann übrigens auch irgendwann vom dicken Baumstamm hinunter gesprungen. Ein bisschen ängstlich zwar, aber dann hat er sich mit lautem Lachen in meine Arme geworfen. Ja, auch er hat sich getraut und für ihn war das in diesem Moment ein Riesenschritt. Genau deshalb nehme ich mir vor, es ihm jetzt gleich zu tun. Endlich mehr darauf zu vertrauen, dass Gott mit mir geht. Dass auch er mich immer wieder auffängt, so wie ich meinen Sohn.
Sich fallen lassen
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