|
Arroganz und die goldene Regel
Ich war neulich in Köln auf einer Party und habe einen alten Klassenkameraden getroffen: den Carsten. Der Carsten ist so zwei Köpfe größer als ich.
Und den hatte ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Er fragte mich, was ich jetzt zur Zeit so mache. Ich begann auch so ein bisschen zu erzählen. Und ziemlich schnell merkte ich, wie er so über mich hinwegguckte. Nach links und rechts in den Raum. Und machte immer nur beiläufig: Hmm. Und schien mir gar nicht richtig zuzuhören. Und das hat mich ein bisschen irritiert. Ich habe dann einfach nur ganz normal erzählt. Er guckte immer nur nach links und rechts. Und versuchte zu sehen, ob er noch irgendwelche andere Bekannte sieht. Und war nur mit einem halben Ohr bei der Sache. Nach zwei Minuten habe ich mir gedacht. Das macht auch keinen Sinn, wenn ich hier einen vor mir habe, der immer nur: Hmm macht.
Da habe ich gesagt: Pass auf, wir müssen uns nicht miteinander unterhalten, hab noch einen schönen Abend, ist schon okay. Da guckte er mich an und meinte: Mann, Gernot, was bist du arrogant geworden! Da hab ich geguckt. Da konnte er auf einmal zuhören, da hat er verstanden, was ich gesagt habe, da fühlte er sich auf einmal arrogant behandelt. Der feine Herr.
In solchen Momenten muss ich dann immer an die Worte von meinem Vater denken, der er mir früher gesagt hat, dass man sich im Leben so verhalten sollte, wie man selbst behandelt werden möchte.
Sprecher: Gernot Hoersch
Arroganz und die goldene Regel
|