Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.10.06. 7.50 Uhr, Pfarrer Ralph Frieling

Hochzeit feiern

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer und liebe frisch Verheiratete! War`s bei Ihnen auch so? Nach dem Heiratsantrag stellt sich die zweite Frage:

Wollen wir ein Fest, und wollen wir Hochzeit feiern, so richtig in Weiß, in großem Stil? Wenn ja, dann kommt einiges auf das Paar zu. Probeessen. Termine finden für`s Standesamt, für die Kirche, für die Feier. Gästelisten erstellen. Einladungen entwerfen, drucken, verschicken. Haben wir Trauzeugen? Soll`s ein Brautkleid sein, du willst doch nicht im Straßenanzug heiraten, können wir uns das alles eigentlich leisten, und was ist mit einer Fotografin? Alles ist so aufregend, und es macht ja auch Spaß, je länger die Vorbereitungen dauern.

In der Woche zuvor endlich der letzte Blick auf die Gästeliste und auf das Wetter und dann ist es irgendwann so weit: die Botin liefert den Brautstrauß an der Tür ab, es kann losgehen. Alles ist geplant, alles soll recht sein heute am großen Tag. Hochzeiten sind aufwändig. Das war schon immer so.

Der Evangelist Johannes erzählt auch von einer Hochzeit, und, nebenbei, das ist die erste Gelegenheit, bei der Jesus in seinem Evangelium in der Öffentlichkeit auftritt, bei einem Fest. Das Fest ist in vollem Gang, die Gäste amüsieren sich, fühlen sich wohl. Jesus und seine 12 Jünger sind auch eingeladen. Und seine Mutter Maria, die auch. Vielleicht hatte sie mitgeholfen bei den tagelangen Vorbereitungen, denn sie kriegt mit, was in der Küche hinter den Kulissen passiert: die Diener stehen ratlos herum, der Bräutigam, stelle ich mir vor, läuft nervös von einem Krug zum andern und guckt hinein, aber da ist nichts zu machen: der Wein ist fast alle, zu wenig bestellt, wie peinlich. Gleich ist schluss mit lustig, die Stimmung wird kippen.

Maria sucht ihren Sohn, tippt ihn an, zieht ihn zur Seite. Was willst du von mir, sagt Jesus, soll ich den Partyzauberer geben und Aufsehen erregen? Jesus handelt auf seine eigene Art - im Stillen. 6 Krüge lässt er die Diener mit Wasser füllen - randvoll. Das Wasser ist verwandelt in einen teuren und edlen Tropfen, insgesamt 600 Liter. Der Wein macht das Fest zum Fest. Was für eine Wundergeschichte, in der es nicht darum geht, die Not zu lindern und Kranke zu heilen, sondern in der es um Überfluss und um Glück geht. Der rot leuchtende Wein steht für Liebe und Lebensfreude und für das Fest.

Dieser Wein sollte nicht zur Neige gehen, am Hochzeitstag sowieso nicht und auch in all den Jahren danach nicht. Soll ja vorkommen, dass sich Wasser in Wein verwandelt. Dass Menschen in ihrer alltäglichen Ehe und Zweisamkeit sich neu finden, dass die Gewöhnung sich immer mal wieder in etwas besonderes verwandelt und dass die Liebe aufleuchtet an jedem Tag. So wie Gott es sich für die Menschen gedacht hat.

 

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