| |
Pfarrer Dohm und die Behinderten auf Schalke
Die Fußball-WM ist vorbei und der Bundesliga-Alltag hat uns schon lange wieder. Viele im Revier bangen mit dem BVB, dem VFL, Rot-Weiß Essen oder Schalke.
Einer von ihnen ist Pfarrer Jochen Dohm aus Gelsenkirchen. Er ist bekannt als der Pfarrer auf Schalke, denn er betreut die Kapelle in der Arena. Seit nunmehr fünf Jahren sorgt er außer für seine eigene Kirchengemeinde in Gelsenkirchen auch für Trauungen, Taufen und Gottesdienste in der kleinen Kapelle im Stadion.
Zu den Aufgaben von Pfarrer Jochen Dohm gehört es aber auch, sich um behinderte Stadionbesucher zu kümmern. Das ist Aufgabe der Kirche, sagte der Verein vor ein paar Jahren, Das können wir nicht. Das machst Du, Jochen, von Deinem Pfarrbüro aus und das machst Du viel besser als wir. Und so begannen Pfarrer Jochen Dohm und sein Team in seiner Gemeinde Behinderte im Umfeld von Schalke vielfältig zu begleiten. Zuerst war nur der Fahrdienst zum Stadion gefragt, bald aber war es mehr.
O-Ton: Das hat dann im Lauf der Zeit dazu geführt, dass wir sämtliche Karten der Behinderten, auch hier verkaufen, weil, es muss ja a) sichergestellt sein, dass die Voraussetzungen dafür gegeben sind, b), wenn ein Behinderter anruft, muss man zuhören können. Das ist nicht das, was ein Call-Center leistet. Ein CC muss in einer bestimmten Zeit Karten umsetzen, wir können zuhören, wir können hinhören, und bei jedem Spiel suche ich also alle Rollstuhlfahrer, das sind meine Hausbesuche, die ich mache, und auch die Blinden.
Autorin: Für blinde Stadionbesucher gibt es in der Arena einen ganz besonderen Raum mit einer Übertragungsanlage. Eigens dafür ausgebildete Reporter kommentieren den Spielverlauf. Und die Blinden hören im Hintergrund das Publikum. Sie kriegen also zusätzlich mit, ob da gerade einer gefoult wurde und welche Mannschaft ein Tor geschossen hat. Auch für diesen Sonderservice für blinde Stadionbesucher haben Pfarrer Jochen Dohm und sein Team gesorgt. Sie haben sich die Betreuung behinderter Menschen ganz besonders auf ihre Fahnen geschrieben. Mit gutem Grund.
O-Ton: Wir haben mehr von den Behinderten gelernt als die von uns. Und von da aus ist nicht Dankbarkeit, aber das Miteinander, das fröhliche Miteinander viel offener gestaltet, und eh, da kommt man dann auch nicht mehr raus, da will man nicht mehr raus. Weil es herzlich, offen und ungeschönt ist.
Autorin: Das ist der zwischenmenschliche Aspekt. Aber als Schalke-Pfarrer, der immer mit Hochleistungssportlern zu tun hat, bekommt der Kontakt zu Behinderten noch einmal eine andere Dimension. Sie leben nicht auf der Siegerseite, nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Sie können mit ihrem Körper keine Millionen verdienen und sich damit ein tolles Leben machen. Sie stehen oft am Rande der Gesellschaft und werden schief angesehen. Für Pfarrer Dohm ist es als Christ selbstverständlich, Behinderten offen, ehrlich und ohne Vorbehalte zu begegnen.
O-Ton: Ja, gerade darin liegt ja der Auftrag des Christen, dass er in dieser Weise Menschen begegnet. Hier ist ein offenes Miteinander, kein Abschätzen, kein Taktieren. Es ist einfach ehrlicher.
Pfarrer Dohm und die Behinderten auf Schalke
|