Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.10.06, 5.56 Uhr, Silke Janssen

Jahreslosung

Er war die ganzen Jahre über Stellvertreter und nun sollte er das Projekt leiten und zu Ende bringen. Der Vorsitzende war gestorben.

Jetzt war es an ihm, die riesige Aufgabe zu vollenden. Die Rede ist von Josua im Alten Testament. Zusammen mit Mose hatte er die Aufgabe, das Volk Israel in ein neues Land und in eine neue Heimat zu führen. Er war dabei, als Mose das Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft geführt hatte, über viele Jahre hinweg hat er es durch die Wüste begleitet und nun stand er mit ihm vor den Toren Kanaans. Vor einer neuen Heimat, vor einer neuen Zukunft. Viele tausend Menschen warteten darauf, über den Jordan zu gehen und ein neues riesiges Land einzunehmen. 

Vermutlich wird sich Josua gefragt haben: Wie soll ich das schaffen? Wie soll ich das alleine schaffen? Ich habe zwar meine Helfer, aber die Verantwortung trage ich letztendlich alleine. Wenn was schief geht, bin ich dran. Wenn Menschen sterben, krank werden, Kinder sich verletzen, weil ich etwas nicht bedacht habe, dann trage ich die Verantwortung. Wie soll das gehen?

In dieser Situation meldet sich Gott zu Wort. Er sagt ihm: „Geh, mach dich auf den Weg. Geh, sag dem Volk, dass es seine Sachen packen soll. Zieht los und geht in das Land, das vor Euch liegt“. Und Gott schaut auf Josua, sieht, dass er Angst hat und spricht ihm noch ein tröstendes Wort zu. Man sieht ihn förmlich, wie er Josua auf die Schultern klopft und sagt: „Ich lasse Dich nicht fallen und ich verlasse dich nicht“.

Was für eine Zusage! Josua hat einen starken Partner an seiner Seite, der ihn auf dem Weg begleitet. Der mit ihm kämpft und mit dem er sich beraten kann. Er bringt dieses Projekt mit einem  starken und kompetenten Partner zu Ende, auf den er sich verlassen kann. „Ich bin bei Dir“, sagt Gott. Und gestärkt durch diesen Zuspruch bringt Josua das Volk Israel in die neue Heimat. Diese Zusage aus der Bibel, diese Zusage Gottes, steht als Motto über diesem Jahr 2006. Sie ist die so genannte Jahreslosung, an die ich heute morgen noch einmal erinnern möchte. 

Warum? Weil dieser Satz nicht nur Josua damals galt und weil er nicht nur zum Jahresanfang wichtig ist, wenn ihn alle lesen und in Erinnerung haben. Sondern er gilt auch den Menschen heute. Die Bibel ist voller zeitloser Zusagen. Wie dieser hier. Und sie ist voller wichtiger Zusagen, die oft wiederholt werden. Auch das gilt für diesen Satz, den Gott Josua gesagt hat. Immer wieder gibt Gott den Menschen das Versprechen, bei ihnen zu sein. Sie zu tragen und zu behüten.

Gott lässt uns nicht fallen und verlässt uns nicht. Anders als viele Menschen. Da trennt sich schon der eine oder andere Weg. Lebenslange Freundschaften sind eher selten. Und auch das Eheversprechen, bis zum Tod miteinander zu gehen, kann nicht immer eingehalten werden. Gottes Dimensionen sind da anders. Er ist treu bis zum Lebensende und hält zu den Menschen.

Josua war froh, einen so starken und kompetenten Partner an seiner Seite zu haben. Und ich bin mir sicher, dass er sich immer dann, wenn es drunter und drüber ging, wenn Menschen krank wurden und Kinder sich verletzten, an diesen Zuspruch Gottes erinnert hat. Und dass er dann gelassener mit Herausforderungen umgehen und Krisen bewältigen konnte. So wünsche ich auch Ihnen heute, dass Sie sich an diesen Zuspruch eines starken und kompetenten Partners erinnern. An den Zuspruch Gottes: „Ich lasse Dich nicht fallen und verlasse dich nicht“.

Audiobeitrag Jahreslosung


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