| |
Die Arbeit der Nacht
Du wachst auf. Und deine Welt ist leer. Kein Mensch mehr da
.außer dir. Ein Alptraum der wahr wird für Jonas. Er erwacht an irgendeinem 4. Juli.
Er schaltet das Frühstücksfernsehen ein. Nur noch ein Flimmern. Der Bus kommt nicht. Keiner geht ans Telefon. Die Internetverbindung ist tot. Der Notruf, die Feuerwehr, die Zeitansage, alles weg. Er ist der letzte Mensch. Auch Marie ist weg.
Was noch funktioniert, einwandfrei, ist die materielle Welt, das Konsumparadies. Der Geldautomat funktioniert. Der Supermarkt und die Restaurants auch. Jonas kann essen und trinken, was er will. Schaut haufenweise Videos. Installiert Kameras, um sich selber zu beobachten: bei Nacht, im Schlaf. Doch was er dann sieht, sich selber und noch mal sich selber, das macht ihn fertig. Er gibt sich noch einmal einen Ruck. Macht sich auf die Suche. Auf die Suche nach Marie. Er durchquert den Eisenbahntunnel nach England, schlägt sich bis Schottland durch, wo er ihren zurückgelassenen Urlaubskoffer findet.
Diesen Koffer hat er dann auch in der Hand. Am Ende, als er sich von einem Kirchturm herab in die Tiefe stürzt. Die Geschichte von Jonas ist verdammt hart. Sie zeigt uns, wer wir sind ohne Marie. Ausgedacht hat sich die Geschichte Thomas Glavinic. Die Arbeit der Nacht heißt sein Buch über Jonas. Und ich frage mich, was tue ich, wenn ich morgen erwache und meine Welt ist: leer?
Sprecherin: Christiane Birgden
Thomas Glavinic Die Arbeit der Nacht Carl Hanser Verlag, München 2006, 394 Seiten, 21,50 EUR
Die Arbeit der Nacht
|