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Die ungarische Natascha
Noch vor einigen Wochen beschäftigte der Fall der Österreicherin Natascha Kampusch die Medien.
Natascha, die 8 Jahre lang von ihrem Kidnapper gefangen gehalten worden war - ohne dass die Nachbarschaft etwas bemerkt hätte. Jetzt gibt es so einen Fall auch aus Ungarn und auch diesmal will niemand was bemerkt haben.
Die heute 27jährige ist 13 Jahre von ihrem Vater in der elterlichen Wohnung gefangen gehalten und - vor den Augen der schwerkranken Mutter missbraucht worden. Kein Nachbar, kein Verwandter, keine Schulbehörde will was gemerkt haben. Das glaube ich nicht.
Ob der Nachbar seinen Hund verprügelt, weil er Frust hat, oder ob ein Mädchen aus meiner Klasse ohne ersichtlichen Grund aus der Schule abgemeldet wird, ob das so okay ist, darüber müssen wir entscheiden. Nur dürfen wir nicht behaupten, wir hätten davon nichts mitbekommen, das ist nämlich nicht ehrlich.
Auch im Fall der Frau aus Ungarn gab es Zeugen. Denn wenn eine 14jährige einfach verschwindet, dann muss das doch irgendwem auffallen, oder? Jetzt, wo auch diese Schreckensgeschichte ans Licht gekommen ist, ist die Betroffenheit natürlich wieder groß und mit ihr beginnt die hektische Suche nach den Verantwortlichen. Und verantwortlich, das sind natürlich immer die anderen.
Ich glaube, dass sich hinter unserer viel gepriesenen Toleranz oft eine ziemliche Scheißegalhaltung versteckt, oder einfach Angst, selbst in einen Konflikt hineingezogen zu werden. Also halte ich mich raus. Solange es mich nicht trifft. Dann liegt die Sache natürlich ganz anders.
Sprecherin: Christiane Birgden
Die ungarische Natascha
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