Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.10.06, 6.56 Uhr, Antje Borchers

Mit Herz und Hand

Burt war neun, als sein Zwillingsbruder starb. Jetzt ist er über 60 und hat jeden Tag an dessen Tod gedacht. Aber schwermütig ist er deswegen nicht geworden. Im Gegenteil.

Burt Munro ist ein fröhlicher Mann, etwas kauzig und – ein Motorradfan. Jeden Tag tüftelt er in seinem Schuppen, damit seine Maschine, eine 46 Jahre alte Indian, noch schneller wird. Oft leistet ihm sein kleiner Nachbarsjunge Tom dabei Gesellschaft. Einmal blättern die Beiden nebenbei in einem alten Fotoalbum.

O-Ton: Haben Sie keine Angst, dass Sie sterben, wenn Sie verunglücken? – Nein. Nein, du… du erlebst mehr in fünf Minuten auf so ’ner Maschine bei Vollgas als manche Menschen in ihrem ganzen Leben. Und, äh, … ja mehr in fünf Minuten. Das ist mein Dad. Und meine Mum… die sind alle tot. Gott, das Leben ist so schnell vergangen. Weißt du, Gefahr ist die Würze des Lebens, und ab und zu muss man ein Risiko eingehen, findest du nicht, mein Sohn. (…)

Autorin: Dies ist nur eine von Burts Lebensweisheiten. Auch eine andere hat mit dem Tod zu tun und entspricht der Weisheit eines biblischen Gebets: »Gott, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.« Klug werden heißt für Burt: das machen, was wichtig ist, denn das Leben dauert nicht ewig. Burt will darum endlich verwirklichen, wovon er 25 Jahre geträumt hat: Er will mit seiner alten Indian einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Dafür muss er von seiner Heimat Neuseeland nach Amerika reisen und in den Salzwüsten von Utah bei der legendären »Speed Week« mitfahren. – Natürlich finden die Nachbarn Burts Traum abwegig.

O-Ton: Glauben Sie, Sie können den Rekord brechen? – Nun, ich hoffe es, ja! – Dad sagt, Sie schaffen es nicht. – Ach. Hat er gesagt? ¬– Er sagt, das würden alle denken. – Aha!? Verstehe. – Alle außer mir. – Bist ein guter Junge, Tom. (Atmo) Ich werd’ dir mal was sagen, mein Junge: Wenn du deine Träume nicht in die Tat umsetzt, kannst du auch ein Stück Gemüse sein. – Was denn für ’n Gemüse? – Keine Ahnung. Ein Kohlkopf, ja, ein Kohlkopf.

Autorin: Bei seiner langen Reise nach Amerika trifft Burt interessanterweise nur auf Menschen, die seinen Traum unterstützen. Er gewinnt sie durch sein Verhalten, das so ganz ohne Berechnung ist. Der Gebrauchtwagenhändler Fernando zum Beispiel würde den Tüftler am liebsten da behalten, weil Burt selbst die ältesten Kisten wieder flott kriegt. Tina, ein Transvestit mit viel Herz, gibt ihm – völlig unüblich – in einem Stundenmotel ein Zimmer für mehrere Nächte. Und dann noch zu einem günstigen Preis. Anstatt sich also gegenseitig über den Tisch zu ziehen, holt jeder das Beste aus sich raus und hilft dem Anderen. – Ich bin überzeugt, dass Menschen so werden, wenn sie »klug« leben. Natürlich will ich hier heute Morgen nicht die Raserei auf dem Motorrad empfehlen. Vielmehr geht es darum, dass wir – wie Burt – wegen unserer Träume mit Einigem Schluss machen: Lass uns aufhören mit Geschäftemacherei, Taktiererei, Vertrauensmissbrauch. Lass uns das machen, was wichtig ist, Gott: dem Anderen mit Respekt begegnen und den eigenen Traum im Visier haben. Am Ende steht Burt bei Sonnenaufgang an dem trockenen Salzsee in Utah. Neben ihm der Tramper Rusty.

O-Ton:
Ich werd Ihnen was sagen, Rusty, das hier ist heiliger Boden, wissen Sie das? Heiliger Boden. Und ich bin jetzt hier. (Fade)

Autorin: Die Lebensgeschichte von Burt Munro ist zurzeit in den Kinos zu sehen. Der Film heißt »Mit Herz und Hand«. Er zeigt: Alle haben etwas davon, wenn ein Mensch klug wird und mit Herz und Hand das Wichtige tut. – Es stimmt ja: Für alles andere ist das Leben zu kurz. Mein Leben und ihr Leben auch!

Audiobeitrag Mit Herz und Hand


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