Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.10.06, 7.50 Uhr, Antje Borchers

Komme, was mag

Er wurde mehr als 30 Mal verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Warum? Zum Beispiel, weil er an seinem neuen Wohnort seinen Führerschein nicht ordnungsgemäß umgemeldet hatte.

Eine Lappalie, aber für die Behörden ein willkommener Anlass, diesen unbequemen Mann zu zermürben. Ihn, der Unrecht beim Namen nannte und die Regierung mitsamt den Bürgern an ihre großen Versprechen erinnerte. Die Versprechen, dass »vor Gott und dem Gesetz alle gleich sind«.

O-Ton: I have a dream that one day…  (…this nation will rise up and live out the true meaning of its creed: »We hold these truths to be self-evident…)

Voice over: Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages diese Nation erheben wird und wahrhaftig leben wird gemäß ihrem Credo: »Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen sind.« …that all men are created equal.«

Autorin: Aber nach und nach fanden auch seine politischen Weggefährten, selbst enge Freunde, er gehe zu weit, als er auch noch gegen Krieg und gegen Armut aufstand. Sie sagten, das ist nicht mehr unsere Sache, Martin. Wenn du auch noch die Außenpolitik kritisierst, dann schadest du unseren Leuten und unserem Anliegen der Rassengleichheit. – Martin war darum oft verzweifelt. Er schrieb: »Strahlende Sonnenaufgänge verwandeln sich in nächtliche Finsternis. Unsere kühnsten Hoffnungen werden enttäuscht, unsere edelsten Träume zerbrechen.«

Er, der den Friedensnobelkreis bekommen hatte, wurde nun von den nationalen Sicherheitsbehörden bespitzelt. Er, der mit den Unterdrückten des Landes Methoden des gewaltlosen Widerstands eingeübt hatte, wurde Opfer von Bombenattentaten – und überlebte. Er, der mit 250.000 anderen auf die Hauptstadt zumarschiert war und friedlich für die Bürgerrechte demonstrierte, fühlte sich einsam. Trotzdem schrieb er:

»Komme was mag, Gott ist mächtig. Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große segnende Kraft gibt, die Gott heißt. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln – zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.«

Die Medien warfen ihm Vaterlandsverrat vor, am Ende wurde er ermordet, mit 39 Jahren, kurz bevor ein großer Marsch gegen die Armut stattfinden sollte. Doch alle Widerstände haben Martin Luther King nicht von seinem Glauben abgebracht. Was ihm Hoffnung gab, war eine Vision aus der Bibel, ein Traum Gottes, dass einmal alle Ungleichheit aufgehoben sein wird:

O-Ton: I have a dream that one day every valley shall be exalted, and... (every hill and mountain shall be made low, the rough places will be made plain, and the crooked places will be made straight; and the glory of the Lord shall be revealed and all flesh shall see it together. (…) With this faith, we will be able to hew out of the mountain of despair a stone of hope. With this faith, we will be able to work together, to pray together, to struggle together, to go to jail together,)
Voice over: Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt wird. Die rauen Orte werden geglättet und die unebenen Orte werden begradigt werden. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden, und alle Menschen werden es sehen. Mit diesem Glauben werde ich fähig sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung zu hauen.  Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, zusammen zu arbeiten, zusammen zu beten, zusammen zu kämpfen, zusammen ins Gefängnis zu gehen, zusammen für die Freiheit aufzustehen, in dem Wissen, dass wir eines Tages frei sein werden. … to stand up for freedom together, knowing that we will be free one day.

Autorin: Noch heute werden Menschen mit anderer Hautfarbe unterdrückt. Noch heute töten Menschen andere Menschen im Krieg, noch heute sind Kinder und ihre Eltern arm. Ist damit der Traum von Martin Luther King gestorben? – Nein, denn noch heute ist es der Traum, den Gott selbst träumt. Darum behält er seine Kraft. Eine Kraft, die nicht wir Menschen herstellen müssen, die wir aber auch nicht zerstören können. Bis heute stehen darum an vielen Orten viele Leute auf, beten und kämpfen für die Gleichheit aller und arbeiten an der Verwirklichung von Gottes Traum.

 

Audiobeitrag Komme, was mag


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen