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"Wir pflügen und wir streuen..."
Erntezeit! Sehen, was herangereift ist. Und wie es herangereift ist. Was haben wir nicht alles unternommen? Wir haben uns Mühe gegeben, haben gesät und geackert.
Haben gepflügt, haben den Samen auf das Land geworfen. Wir haben den Boden vorbereitet, haben geschuftet, damit die Saat aufgehen kann. Manchmal war der Boden ganz schön hart. Hin und wieder haben wir auf unser Feld geschaut und gedacht: mein Gott, ist das riesig! Tag für Tag haben wir unsere Arbeit getan, im steten Wechsel von Arbeit und Ruhen.
Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand. Der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf, und träuft wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Jetzt ist die Zeit der Ernte gekommen, die Zeit einmal genauer hinzugucken, was in der Zwischenzeit herangereift ist, und vor allem, wie es herangereift ist. Das Lied, das Matthias Claudius gedichtet hat, erinnert uns daran, unsere Arbeit einmal in einem anderen Licht zu sehen. Wir können uns zurücklehnen und einmal in Ruhe zurückschauen.
Was geschieht eigentlich, wenn ich meine Arbeit beendet habe. Wenn ich nach Hause gehe, um mich für den nächsten Tag auszuruhen? Darüber habe ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Ich bin immer davon ausgegangen: wenn ich nicht bei der Arbeit bin, dann ruht die Arbeit, bis ich sie am anderen Tag wieder aufnehme. Das stimmt ja auch, oberflächlich betrachtet. Doch das Spannende ist: was geschieht genau in dieser Zwischenzeit? Matthias Claudius eröffnet mir mit seinem Lied eine neue Sicht der Dinge. Offenbar weiß er genau, was Gott über unsere Arbeit denkt. Und das finde ich so liebenswert an diesem Lied: der Dichter tut so, als ob er das Geheimnis von Gottes Segen wenigstens ein wenig lüften könnte. Der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf. Und träuft wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Wenn wir unser Arbeit den Rücken gedreht haben, dann bricht Gottes Stunde an. Dann fängt ER an zu arbeiten. Wenn wir uns ausruhen und nach Hause gehen, dann krempelt sich Gott die Ärmel hoch. Aber halt: ganz behutsam geht Gott mit dem um, was wir gesät haben. Und nicht nur das. Heimlichsorgt er dafür, dass daraus etwas wird.
Gott wird uns als ein ganz behutsamer Gärtner vorgestellt, der sich liebevoll um die zarten Pflänzchen kümmert. Seine Gießkanne ist der Himmel, aus dem es regnet. Aber: weil es um unsere Arbeit geht, ist es ein milder, träufelnder Regen- und kein Sturzbach. Gott ist einer, der aus Rücksichtnahme gegenüber den Menschen kein Spielverderber sein will. Deswegen geschieht das, was Gott tut, ganz still und heimlich und sehr vorsichtig. Wir sollen es nicht merken, dass er am Werk ist. Gott will seine Menschen nicht brüskieren. Daran ist ihm gelegen. Sollen die Menschen ruhig auch weiter glauben, dass sie die Macher sind. Dass ihr eigener Beitrag entscheidend ist.
Alle gut Gabe kommt her von Gott, dem Herrn. Drum dankt ihm, dankt. Drum dankt ihm, dankt und hoffet auf ihn.
Ich muss ihnen aber sagen: ich bin ganz froh, dass Gott mir diese Illusion bis heute nicht ganz genommen hat. Gott geht sorgsam um mit dem, was ich gesät habe. Und er ist sehr vorsichtig, wenn es um seinen Segen geht. Zart und kunstvoll wickelt er seinen Segen ein. Also: da ist schon wieder diese Behutsamkeit, diese sehr zurückhaltende, diskrete und schonende Art, die wir von Gott schon kennen.
Er sendet Tau und Regen und Sonn und Mondenschein. Und wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein. Und bringt ihn dann behände in unser Feld und Brot. Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.
Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn. Drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn.
Er lässt die Sonn aufgehen, er stellt des Mondes Lauf. Er lässt die Winde wehen und tut die Wolken auf. Er schenkt uns so viel Freude, er macht uns frisch und rot. Er gibt den Kühen Weide und unsern Kindern Brot.
Sie brauchen sich nur ihr Brot auf dem Frühstückstisch in Ruhe anzusehen. Es geht durch unsere Hände, wenn wir es schneiden und auf den Frühstückstisch legen. Zuvor ist es durch die Hände des Bäckers gegangen, der das Mehl verarbeitet hat. Und wenn sie wollen, dann können sie den Weg des Brotes auch noch weiter zurückverfolgen. Da steckt wirklich eine Menge menschlicher Arbeit drin, bis das Brot auf unserem Tisch liegt. Doch hat Gott in seiner behutsamen und vorsichtigen Art, mit unserer Arbeit umzugehen, ohne dass wir es recht merken, schon längst seinen Teil dazu getan. Das soll wenigstens dann, wenn Erntezeit ist, nicht in Vergessenheit geraten.
Wachstum und Gedeihen sind in des Himmels Hand! Das Eigentliche tut Gott. Diese Sicht der Dinge kann meine Einstellung zur eigenen Arbeit verändern. Wenn ich meine Arbeit ruhen lasse, tut Gott das Entscheidende. Das ist doch wunderbar!
Gott segnet meine Arbeit, darauf kann ich mich verlassen. Wieso soll ich mir da eigentlich Sorgen machen, dass meine Arbeit Früchte trägt? Mich darum sorgen, dass sie möglicherweise vergeblich sein könnte? Da ist es doch besser, seine Hoffnung auf Gott zu setzen. Darauf zu vertrauen, dass ich mit seiner diskreten, vorsich-tigen Art, die Früchte meiner Arbeit wachsen zu lassen, auch in Zukunft rechnen kann.
Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn. Drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn.
Das war Frank Küchler aus Krefeld über den vierstimmigen Choral "Wir pflügen und wir streuen..." nach einem Text von Matthias Claudius. Es sang das Solistenensemble unter der Leitung von Gerhard Schnetter.
"Wir pflügen und wir streuen..."
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