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Der perfekte Lebenslauf
Ich sitze in einer Fortbildung. Wir sollen uns einander vorstellen. Kurz sagen, wer wir sind. Alle erzählen der Reihe nach etwas von sich. Einigen liegt das nicht so.
Die sitzen gequält da und sind sichtlich froh, wenn sie fertig sind. Andere kosten den Moment aus. Sie erzählen von ihren Abschlüssen, Auslandaufenthalten und Zusatzqualifikationen. Nebenbei lassen sie noch einfließen, welche Fremdsprachen sie sprechen und wen sie alles Wichtiges kennen. Alles klingt sehr glatt, ohne Brüche und Umwege. Wie ein steiler Weg nach oben.
Ich stelle mir vor: Was wäre, wenn ich nichts über mein Leben zu sagen hätte? Nichts, was vor der Welt zählt? Wenn ich meinen Abschluss nicht geschafft hätte? Oder wenn ich noch in dieser Krise steckte, wie vor drei Jahren, als ich unsicher war, ob ich diesem Leben überhaupt gewachsen bin?
Auch jetzt widerstrebt es mir, mir den perfekten Lebenslauf zurecht zu lügen und ihn so zurecht zu biegen bis er keine Ecken und Kanten mehr hat. Denn aalglatt hat Gott mich nicht gemacht und ist schon manchen Umweg mit mir gegangen. Noch einer vor mir. Dann bin ich dran. Wer bin ich? Und was sage ich davon den anderen?
Sprecherin: Christiane Birgden
Der perfekte Lebenslauf
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