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Nathanael - ein Skeptiker macht eine umwerfende Erfahrung (Johannesevangelium, Kapitel 1, Verse 43-51)
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, es gibt Gestalten im Neuen Testament, für die ich von Jugend an eine große Sympathie empfinde.
Eine davon ist Nathanael: Ein junger Mann, der sich von der spontanen Jesusbegeisterung seines Freundes nicht einfach mitreißen lässt. Auf dessen euphorischen Glauben an den Zimmermannssohn aus Nazareth reagiert er ausgesprochen skeptisch. Als ihm sein Freund Philippus begeistert erzählt, er habe in Jesus von Nazareth den seit lange verheißenen Messias für Israel gefunden, fragt ihn Nathanael kühl zurück: Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen? Der Mann hat Recht. Er kennt sich offensichtlich in der Heiligen Schrift seines Volkes, dem Alten Testament, bestens aus. Denn dass der verheißene Messias aus Nazareth kommen soll, steht dort nirgends geschrieben. Sein von Jesus begeisterter Freund Philippus muss auf diesen Einwand hin passen und bleibt die Antwort schuldig. Eigentlich ein schwaches Bild von einem Jesusanhänger, wenn er seinen Glauben kritischen Nachfragen gegenüber nicht einmal näher begründen kann. Die Aufforderung Das musst du eben glauben!, die man in solchen Situationen bis heute aus dem Munde von Christen hören kann, empfinden nicht nur überzeugte Atheisten als völlig unangemessen. Man möchte schon nachfragen dürfen und plausible Gründe an die Hand bekommen, um an Jesus glauben zu können. Oder sollte sich am Ende doch das alte Vorurteil bestätigen, dass Christen offensichtlich ihren Verstand an der Kirchentür abgeben müssen, um glauben zu können?!
Die im Johannesevangelium erzählte Geschichte von Nathanael und seinen um eine Antwort verlegenen Freund Philippus ist damit nicht zu Ende. Er lädt Nathanael ein: Komm mit mir und lerne Jesus selbst kennen. Tatsächlich nimmt Nathanael die Einladung seines Freundes an. Dann stehen sich die beiden Männer zum ersten Mal leibhaftig gegenüber. Jesus macht Nathanael gleich bei der Begrüßung ein Kompliment: Ich sehe, du bist ein aufrechter Israelit ohne Hintergedanken. Doch der fragt davon unbeeindruckt nur zurück: Woher kennst du mich? Wir sind uns im Leben nie zuvor begegnet. Daraufhin entgegnet ihm Jesus: Ich sah dich schon, als du unter dem Feigenbaum saßest und glaubtest, du wärest völlig allein. In diesem Moment ist plötzlich die ganze Skepsis des Nathanael wie weggewischt, und er kann nur noch fassungslos bekennen: Rabbi, du bist Gottes Sohn!
Liebe Hörerinnen und Hörer: Wodurch wird die Skepsis des Nathanael überwunden, so dass er glauben kann? Offensichtlich nicht durch logische Argumente, die seinem Verstand einleuchten, sondern durch eine umwerfende Erfahrung. Dabei ist zwar sein Verstand nicht ausgeschaltet doch berührt und überwältigt ihn diese Erfahrung weit darüber hinaus in der Tiefe seiner Existenz. Dieser Jesus kennt mich wirklich. Er hat den Durchblick in meinem Leben. Er weiß, was mit mir los ist.
Bis heute fällt die Entscheidung für den christlichen Glauben nie dadurch, dass Menschen durch vernünftige Argumente dafür gewonnen werden. Das heißt nicht, dass Christen ihren Glauben nicht auch vernünftig begründen können sollten. Dadurch können manche Hindernisse ausgeräumt werden, die dem Glauben im Wege stehen. Aber am Ende ist doch die Erfahrung entscheidend, dass dieser Jesus mich ganz persönlich im Blick hat, mich bis in den hintersten Winkel meines Herzens kennt und zugleich mein Leben fürsorglich begleitet. Auch für diesen Tag wünsche ich Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, die Erfahrung, in Ihrem Leben von Jesus erkannt und zugleich bei ihm geborgen zu sein.
Nathanael - ein Skeptiker macht eine umwerfende Erfahrung (Johannesevangelium, Kapitel 1, Verse 43-51)
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