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Die Sameriterin - Wie Jesus mit der Sehnsucht einer Frau nach Liebe umgeht (Johannesevangelium, Kapitel 4, Verse 1-30)
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, immer wieder überrascht uns im Neuen Testament Jesus auf eine Weise,
die nicht nur damals viele seiner Zuhörer irritiert und oft sogar schockiert hat. In seinem Verhalten überschreitet er souverän die von Menschen gerade auch von den Frommen gezogenen Grenzen und setzt sich über ihre Vorschriften hinweg. So geschieht es auch, als er eines Tages mit seinen Jüngern durch Samarien zieht. Ein frommer Jude, der auf sich hielt, schlug bei seinen Reisen lieber einen weiten Bogen um das Gebiet der Samariter. Die Samariter wurden verachtet, seit sich ihre jüdischen Vorfahren mit anderen Völkern vermischt und so in den Augen gesetzestreuer Juden den exklusiven Bund Gottes mit Israel verraten hatten. Jesus hält dies jedoch nicht davon ab, durch Samarien zu ziehen. Ist schon dies ungewöhnlich genug, so müssen seine Jünger davon geradezu entsetzt gewesen sein: In der Mittagshitze spricht Jesus eine fremde Samariterin an einem Brunnen an. Bittet sie, ihm zu trinken zu geben. Das gehörte sich für einen jüdischen Mann nun ganz und gar nicht, eine ihm fremde Frau dazu noch eine Samariterin um einen solchen Gefallen zu bitten. Doch Jesus setzt sich souverän über diese Konvention hinweg. Er möchte den ihm nicht verborgen gebliebenen ungestillten Lebensdurst dieser Frau stillen und ihre Wunden heilen, die ihr von anderen zugefügt wurden.
So kommen die beiden miteinander ins Gespräch, und Jesus macht die Frau mit seinem Versprechen neugierig, sie könne ein für allemal ihren Durst mit dem von ihm angebotenen lebendigen Wasser stillen. Als die Frau Jesus daraufhin bittet: Gib mir von diesem Wasser zu trinken! nimmt das Gespräch eine Wende. Jesus fordert die Samariterin auf, ihren Mann dazuzuholen. Darauf reagiert die Frau mit dem Hinweis, sie habe keinen Mann. Jesus gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und sagt ihr ins Gesicht: Ja, du hast keinen Mann! Denn die fünf Männer, die du gehabt hast, waren immer nur Liebhaber auf Zeit. Und auch der, mit dem du jetzt zusammen bist, ist nicht wirklich dein Mann. Mir stockt der Atem, wenn ich das lese. Wie kann man nur so schonungslos einem Menschen die Wahrheit über seine gescheiterten Liebes-Beziehungen ins Gesicht sagen? Ist das nicht unbarmherzig? Doch die Frau macht nicht auf dem Absatz kehrt: Was geht dich mein Privatleben an!?; sondern lässt sich die für sie so bittere Wahrheit über ihr bisheriges Leben sagen. Offensichtlich fühlt sie sich durch die Worte Jesu nicht bloßgestellt, sondern verstanden und angenommen.
Liebe Hörerinnen und Hörer, in dem Verhalten Jesu begegnen uns immer wieder Wahrheit und Liebe untrennbar miteinander verbunden. Hätte Jesus nur an den wunden Punkt im Leben dieser Frau gerührt, um ihr das eigene Scheitern vorzuhalten: es wäre nicht zum Aushalten gewesen. Denn nackte Wahrheit ohne Liebe lässt uns Menschen oft frösteln. Wo uns die Wahrheit über unser Leben nur wie im Spiegel vorgehalten wird, werden wir durch die dabei gewonnene Selbsterkenntnis oft nur noch tiefer enttäuscht und verbittert. Jesus ist kein Wahrheitsfanatiker. Seine Mission erschöpft sich nicht darin, Schuld und Scheitern von Menschen aufzudecken. In ihm begegnet uns die Wahrheit stets gepaart mit Liebe. Darum heilt er Menschen; darum ermöglicht er ihnen trotz vielfältigen Versagens einen Neuanfang und stillt für immer ihren Hunger und Durst nach Liebe. So ist es damals jedenfalls auch der Samariterin ergangen. Nach ihrer Begegnung mit Jesus erzählt sie anderen Menschen begeistert davon und lädt sie ein, selber herauszufinden, ob dieser Jesus nicht tatsächlich der verheißene Messias ist.
Die Sameriterin - Wie Jesus mit der Sehnsucht einer Frau nach Liebe umgeht (Johannesevangelium, Kapitel 4, Verse 1-30)
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