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Eine skandalöse Predigt - ein souveräner Herr (Johannesevanglium, Kapitel 6, Verse 52-69)
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, es war damals eine richtige Jesusbegeisterung, die da von den Bergen Galiläas bis nach Jerusalem herüberschwappte.
Die Schar der Bewunderer und Anhänger Jesu wuchs immer mehr. Der einfache Zimmermannssohn aus Nazareth war mit einem Schlage zum Hoffnungsträger der Volksmassen geworden. Viele erwarteten von ihm die Befreiung vom Joch der römischen Besatzungsmacht. Andere erhofften sich von ihm vor allem Hilfe in ihren persönlichen Nöten.
Als Jesus eines Tages nach Kapernaum kommt, um in der dortigen Synagoge zu lehren, sind sie ihm wieder zu Hunderten gefolgt gespannt, was er wohl sagen und tun wird. Doch statt eines erhofften Wunders oder der Abrechnung mit den im Volk verhassten Römern, redet Jesus von sich: Ich bin das Brot des Lebens
Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der hat das ewige Leben. Die Menschen in der Synagoge werden unruhig und rutschen auf ihren Plätzen hin und her. Was redet Jesus da für einen Unsinn: Man muss sein Fleisch essen, um Anteil am ewigen Leben zu haben?! Sie verstehen es nicht. sind verärgert über ihr Idol. Aus Bewunderern werden Enttäuschte. Sie sind sich einig: Dieser Jesus ist unmöglich. Seine Ansprache ist eine Zumutung. Die Reaktion kann nur sein: Sich so schnell wie möglich von ihm distanzieren, ehe man als sein Anhänger auch noch für verrückt erklärt wird. So gehen sie weg - einer nach dem andern.
Am Ende haben sie ihn alle verlassen bis auf den harten Kern der 12 Jünger, die allerdings von der Rede ihres Meisters auch nicht gerade begeistert sind. Auch sie haben nicht kapiert, dass Jesus mit diesen Worten auf das Opfer seines Lebens für andere hinweisen wollte. Was wird Jesus tun jetzt, wo seine große Anhängerschar bis auf einen kleinen Kreis von Getreuen zusammengeschmolzen ist? Wird er Durchhalteparolen ausgeben, so wie es irdische Machthaber immer tun, wenn ihre Anhängerschaft bröckelt und der Glaube an den Sieg der eigenen Sache verloren zu gehen droht? Doch Jesus ist auch hier anders. Er fragt die übrig gebliebenen Zwölf ganz einfach: Wollt ihr auch weggehen? Kein flammender Appell, keine Einschwörungsversuche. Eine schlichte Frage. Aber eben darin zeigt sich seine ganze Souveränität. Dieser Herr ist nicht auf den Zulauf der Massen angewiesen. Er hat es nicht nötig, mit Druck und Drohung zu arbeiten, um Menschen bei der Stange zu halten. Er kann frei geben, weil er bis heute möchte, dass Menschen ihm aus freien Stücken nachfolgen. Jesus wirbt um unser Vertrauen, aber er möchte unser freiwilliges und kein erzwungenes Ja. Jeder, der Jesus nachfolgt, soll wissen: Ich tue es nicht ihm, sondern mir zuliebe. Er hat meine Gefolgschaft nicht nötig, aber ich finde ohne ihn nicht den Weg zu einem erfüllten Leben.
Auf die Frage von Jesus hat damals Petrus stellvertretend für die anderen geantwortet: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Es gibt für Petrus und die anderen Jünger keine Alternative mehr zu dem Weg der Nachfolge hinter Jesus her. Kein Hintertürchen, das sie sich für den Fall der Fälle offen gehalten hätten.
Liebe Hörerinnen und Hörer, Sören Kierkegaard hat einmal gesagt: Es gäbe zwei Arten von Christen: Den Nachfolger Jesu und die billigere Ausgabe, nämlich den Bewunderer Jesu. Ich wünsche Ihnen, sich nicht damit zufrieden zu geben, Jesus wie ein Idol zu bewundern. Sondern ihm zu vertrauen und sich in Ihrem Leben von ihm leiten zu lassen.
Eine skandalöse Predigt - ein souveräner Herr (Johannesevanglium, Kapitel 6, Verse 52-69)
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