Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.09.06, 5.56 Uhr, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Christliche Altenpflegerin gibt auf

Klein und zierlich ist sie und dennoch unglaublich zäh und belastbar. Susanne Runkel ist 39 Jahre und Altenpflegerin.

Die zweifache Mutter entschied sich bereits mit achtzehn für diesen Beruf. Und das aus Überzeugung.

O-Ton: Ich bin schon immer ein sozial eingestellter Mensch gewesen. Ich bin als Kind sehr christlich, ich bin katholisch erzogen worden. Meine Oma hat mir sehr, sehr viel mitgegeben. Und somit fand ich es einen wundervollen Beruf gerade Altenhilfe, bedürftigen Menschen zu helfen. Und da ein Stück weit dienen zu dürfen. Das war so meine Motivation.

Mit großem Engagement hat Susanne Runkel jahrelang das gemacht, was für viele unattraktiv ist: Alte und kranke Menschen gepflegt, mit ihnen geredet, sie getröstet und auch schon mal gebetet. Doch die Zeiten sind längst vorbei.

O-Ton: Die Situation hat sich so verändert, dass wir nur noch die Grundversorgung leisten können und nicht mehr auf den Menschen persönlich eingehen können. Wir sind an einer Grenze angelangt wo ein absoluter Notstand herrscht vom Personal sind wir unterbesetzt.

Kein Wunder, dass die überlasteten Altenpfleger oft krank werden. Davon weiß auch Susanne Runkel ein Liedchen zu singen. Immer häufiger muß sie einspringen für kranke Kollegen. Von jetzt auf gleich. Für die zweifache Mutter oft ein Problem. Am meisten belastet sie aber die Situation der Bewohner:

O-Ton: Es gibt Menschen, die geben auf. Man kann zugucken, wie sie aufgeben, sich zurückziehen, sich persönlich auch angegriffen fühlen. Und es gibt auch Menschen, die sterben daran, weil ihre Seele keine Nahrung bekommt.

Susanne Runkel sieht traurig aus. Sie ist am Ende. Ihr Traum alten Menschen zu dienen – mittlerweile ein Alptraum.

O-Ton: Ich möchte in Ruhe mich dem Menschen zu widmen und ich fege über ihn hinweg wie über einen Boden und ich glaube nicht, daß es J.C. gefallen würde, wenn ich ihn so behandeln würde. Also, ich komme mir vor wie in einer Fabrik. Und das stimmt mich traurig und läßt sich mich auch mit meinem Glauben  nicht mehr vereinbaren.

Und das meint Susanne Runkel ernst. Sie will jetzt aussteigen,  sich nach einem anderen Beruf umsehen. Und dass obwohl ihr die Altenpflege noch immer Spaß macht – aber eben nicht zu diesen Bedingungen. „Du sollst Vater und Mutter ehren“, heißt es in der Bibel. Gemeint sind mit dem du die  Kinder und das Volk Israel. Für uns heute heißt das : Du  Deutschland , sollst Deine Väter und Mütter ehren,  damit sie in Würde alt werden und sterben können. Auch in Deinen Alten- und Pflegeheimen. Doch dafür musst Du, Deutschland, etwas tiefer in die Tasche greifen. Um Gott zu gehorchen, braucht man eben manchmal auch Geld.

O-Ton: Ich denke den Wunsch, den ich vielleicht habe, den haben viele Pflegekräfte oder auch Angehörige, das mehr Gelder da sind, damit mehr Pflegepersonal eingestellt wird und man endlich mal wieder für die Seele des Menschen da sein könnte.

Audiobeitrag Christliche Altenpflegerin gibt auf


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