|
Kreuzigung als Show
Warum fühlt sich jemand mit so viel Talent genötigt, zur Eigenwerbung die Gefühle so vieler Menschen zu verletzen? Das fragte die Kirche von England die Popikone Madonna.
Die gab zwar keine Antwort. Machte aber weiter mit ihrer Show. In der hängt Madonna mit einer Dornenkorne an einem Disco Kreuz. Dazu singt sie ihre Ballade: Live to tell. Leben, um zu erzählen. Eine Kreuzigung als Show. Der Skandal war vorprogrammiert. Madonna hat sich nicht nur scharfe Kritik eingehandelt. Sondern vor allem eins: Aufmerksamkeit.
Live to tell. Leben will erzählt werden. Denn was niemand weiß, wird vergessen werden. Davor haben viele Angst. Vergessen zu werden. Und daher schaffen sie sich ihr Stück Unsterblichkeit. Madonna singt gegen ihr Vergessen an. Daher greift sie auch immer zu religiösen Symbolen. Provoziert. Ich finde die Aufregung um Madonnas Kreuzigung ziemlich gut. Denn ob wissentlich oder unwissentlich hat sie etwas getan, was schnell vergessen ist. Das Kreuz ist nie niedlich oder harmlos. Das Kreuz ein Skandal. Jedes Kreuz zeigt: Das was Jesus geschehen ist, geschieht noch immer. Menschen liefern Menschen ans Messer.
Jesus Kreuz war nicht buntschillernd. Sondern ein Marterpfahl. Der Skandal bleibt aber bis heute: Es gibt noch zu viele Kreuze für zu viele Menschen auf dieser Welt. Und dagegen bleibt zu protestieren.
Sprecher: Michael Birgden
Musik: Madonna, Live to tell, CD Something to remember
Kreuzigung als Show
|