Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.09.06, 15-16 Uhr, Michael Birgden

Kreuzigung als Show

Warum fühlt sich jemand mit so viel Talent genötigt, zur Eigenwerbung die Gefühle so vieler Menschen zu verletzen? Das fragte die Kirche von England die Popikone Madonna.

Die gab zwar keine Antwort. Machte aber weiter mit ihrer Show. In der hängt Madonna  mit einer Dornenkorne  an einem Disco Kreuz. Dazu singt sie ihre Ballade: „Live to tell.“ Leben, um zu erzählen. Eine  Kreuzigung  als  Show. Der Skandal war vorprogrammiert. Madonna hat sich nicht nur scharfe Kritik eingehandelt. Sondern vor allem eins: Aufmerksamkeit.

„Live to tell.“ Leben will erzählt werden. Denn was niemand weiß, wird vergessen werden. Davor haben viele Angst. Vergessen zu werden. Und daher schaffen sie sich ihr Stück Unsterblichkeit. Madonna singt gegen ihr Vergessen an. Daher greift sie auch immer zu religiösen Symbolen. Provoziert. Ich finde die Aufregung um Madonnas Kreuzigung ziemlich gut. Denn ob wissentlich oder  unwissentlich hat sie etwas getan, was schnell vergessen ist. Das Kreuz ist nie niedlich oder harmlos. Das Kreuz ein Skandal.  Jedes Kreuz zeigt:  Das was Jesus geschehen ist, geschieht noch immer. Menschen liefern Menschen ans Messer.

Jesus Kreuz war nicht buntschillernd. Sondern ein Marterpfahl. Der Skandal bleibt aber bis heute: Es gibt noch zu viele Kreuze für zu viele Menschen auf dieser Welt. Und dagegen bleibt zu protestieren.

Sprecher: Michael Birgden

Musik: Madonna, Live to tell, CD Something to remember

Audiobeitrag Kreuzigung als Show


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen