Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.09.06, 12-13 Uhr, Pfarrer Stephan Kiepe-Fahrenholz

Streitbarer Glaube (Michaelistag)

Heute ist Michaelistag. Der Erzengel Michael steht nicht nur bei Katholiken, sondern auch in der evangelischen Kirche im Kalender.

Von Michael ist im letzten Buch der Bibel, der so genannten Offenbarung die Rede. Da wird ein ziemlich gewaltätiges Szenario aufgemacht: Michael und seine Engel kämpfen gegen den großen Drachen und werfen ihn aus dem Himmel hinab auf die Erde. Eine richtige Armee ist das.  Das hat wenig damit zu tun, wie wir uns normalerweise Engel vorstellen. So als putziges himmlisches Federvieh. Geschrieben wurde dieser Kampfbericht in der Zeit der ersten Christenverfolgungen. Damals lernte die  noch ganz junge Kirche: Glaube ist ohne Streit und heftige Auseinandersetzungen nicht zu haben.

Mit dem streitbaren Glauben ist es ja nun so eine Sache. Wohin er führen kann, zeigt uns der weltweite islamistische Terror jeden Tag. Und eben jene gewalttätige Spielart des Islam, die leider alle Schlagzeilen beherrscht, lässt vielleicht neuerdings auch die ansonsten viel belächelte christliche Demut wieder in einem durchaus positiven Licht erscheinen.

Das heißt dann trotzdem nicht, dass sich speziell Christen alles gefallen lassen müssten. Für meine Glaubensüberzeugungen, von denen ich mich und mein Leben getragen fühle, darf ich wohl eintreten. Und die modernen Drachen aller Art, die menschliches Leben und Zusammenleben bedrohen, die soll ich gerade auch als Christ bekämpfen. Dazu werde ich bestimmt nicht gewalttätig sein wie der Erzengel Michael in der Offenbarung. Aber so konsequent wie er schon.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Streitbarer Glaube (Michaelistag)


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