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Märtyrer
Was ist eigentlich ein Märtyrer? Man hört und liest diesen Begriff in letzter Zeit so oft, aber sein Verständnis scheint eher verschwommen
und vieldeutig geworden zu sein.
Heute ist zum Beispiel der Todestag von Cyprian, einem bedeutenden Theologen und Bischof der christlichen Kirche im dritten Jahrhundert. Er lebte in Karthago, in Nordafrika, und wurde während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Valerian wegen seines Glaubens zunächst verbannt und schließlich gefangen genommen und hingerichtet.
Einen solchen Menschen bezeichnen Christen als Märtyrer. Ein Märtyrer ist jemand, der um seines religiösen Bekenntnisses willen verfolgt wird und den Tod erleidet. Der selber unschuldig ist, der selber keine Gewalt ausübt oder gar Krieg führt. Der aber mutig zu seinem Glauben steht, der sich auch durch Gewaltandrohung nicht einschüchtern lässt und kleinmütig wird. Einen solchen Menschen nannten die frühen Christen auf Griechisch martys, Zeuge, weil er seinen Glauben furchtlos bekannte. Kein Mensch allerdings sollte von sich auf die Idee kommen, als Märtyrer sterben zu wollen. Das hat es unter den frühen Christen zwar auch gegeben. Aber die Kirche hat das abgelehnt. Sie wollte keinen religiösen Fanatismus, keine Todessehnsucht oder Paradiesesschwärmerei.
Keiner kann sich nämlich selber zum Märtyrer machen. Zum Märtyrer kann man von seiner Glaubensgemeinschaft nur erklärt werden. Und dazu ist der Tod noch nicht einmal das ausschlaggebende Kriterium. Zunächst einmal müssen solche Männer und Frauen nämlich ein vorbildliches Leben geführt haben. Schon mit ihren Handlungen und Worten müssen sie ein Zeugnis für Christus abgelegt haben. Wenn sie dafür misshandelt oder eingesperrt werden und gar den Tod erleiden, dann betrachtet die Kirche sie als Märtyrer.
Kommt denn nun ein Märtyrer ins Paradies? Ja, auch Christen glauben, dass Märtyrer ins Paradies kommen, dass sie im Tod Gott nahe sein werden. In der alten Kirche konnte man etwa sagen, dass ein Märtyrer durch seinen Tod zum Jünger Jesu wird und durch Jesus die Auferstehung erwirbt. Allerdings: dass kann kein Mensch im Voraus für sich entscheiden und deshalb den Märtyrertod suchen. Dass kann auch seine Kirche nicht für ihn regeln. Wer ins Paradies kommt, entscheidet allein Gott. Und der wird noch ein paar andere Dinge als die Todesart berücksichtigen. Vor allem die Lebensführung und die Frage, wie viel Liebe er in seinem Leben verwirklicht hat. Für Gewalttäter und Möchtegerne ist im Paradies kein Platz.
Ja, die Kirche empfiehlt ihren Glaubenszeugen sogar, unnötige Konfrontationen zu vermeiden und möglichen Gefahren aus dem Weg zu gehen. Auch Cyprian ist erst einmal für einige Jahre untergetaucht. Als Bischof hat er seine Kirche durch Briefe aus dem Verborgenen geleitet. Erst als er es für wichtig und richtig hielt, in seinen Gemeinden wieder persönlich aufzutreten, hat er die drohenden Gefahren auf sich genommen und sich den Verfolgungen des Staates ausgesetzt. Die römischen Behörden haben ihn enthaupten lassen. Sein Haupt wird noch heute in Kornelimünster bei Aachen aufbewahrt und verehrt.
Cyprian wurde zum Märtyrer, aber er hatte sich nicht danach gedrängt und war gewiss kein Fanatiker. Er vertrat klare Standpunkte, aber zugleich war er seinen Zeitgenossen gegenüber nachsichtig. Auch wenn einer während der Verfolgung von seinem Glauben abgefallen war und in Todesgefahr vielleicht sogar seinen Glauben verleugnet hatte, erlaubte er ihm nach einer Zeit der Buße die Wiederaufnahme in die Kirche. Er selbst war standhaft bis zum Tod, aber er wusste auch, dass diese Haltung nicht verallgemeinert und zum Gesetz erhoben werden kann. Was vor Gott zählt ist die Liebe, die ein Mensch in seinem Leben verwirklicht hat.
Märtyrer
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