Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.09.06, 5.56 Uhr, Elke Rudloff

Der elfte September

Unvergesslich für uns alle: Dass Horrorszenario vom 11. September 2001. Zwei Flugzeuge rasen in die Türme des World Trade Centers. Für einige ist dieser Schreckenstag aber

auch ein Glückstag. So wie für Antje Weirauch, die am 11. September Geburtstag hat. Sie erinnert sich noch genau, an ihre Feier vor fünf Jahren:

O-Ton: Es war mein 10. Geburtstag. Wir haben erst mal eine Schnitzeljagd veranstaltet mit schwarzen Briefen. Von den Ereignissen, die sich dann abgespielt haben in den USA wussten wir Kinder eigentlich gar nichts. Meine Eltern haben`s natürlich verfolgt, haben uns aber, ja, aus Rücksichtnahme natürlich nichts erzählt. Ja,  und als dann die Gäste eben weg waren, bin ich rein zu meinen Eltern ins Wohnzimmer, weil ich dachte mein Vater guckt einen Film. Hab zugeguckt, dachte an irgendwas wie Action-Film oder Krimi oder so was, bis dann der Nachrichtensprecher im Hintergrund zu hören war und ich dann erstmal realisiert habe: Das ist kein Film sondern das ist wirklich passiert.

Autorin: Keine leichte Aufgabe, beides zusammen zu halten: Die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse in New York und den berechtigten  Wunsch, fröhlich und unbeschwert Geburtstag zu feiern. Antje Weirauch gibt beidem seine Zeit:

O-Ton: Wenn ich aufwache, dann denke ich natürlich oft daran, auch an die Opfer und, ja, die ganzen Menschen, die Angehörige verloren haben oder Freunde, aber während ich feiere, da klinke ich das sozusagen aus.

Autorin: Die Erfahrung, dass Trauer und Freude so nah beieinander liegen können, hat Antjes Lebenseinstellung verändert:

O-Ton: Einmal hat man vielleicht Angst auch, dass auf irgendwelchen Großveranstaltungen oder so oder in Flugzeugen wieder irgendetwas passieren kann so wie jetzt ... außerdem wird einem natürlich klar, dass man nicht nur seine eigene kleine Welt hat in der man dann schaut, ob alles in Ordnung ist ...
Eine gute Möglichkeit, meiner Meinung nach mit so etwas umzugehen, ist durchaus auch ein Gespräch mit Gott. Also wenn man gerade vielleicht keinen Mitmenschen hat mit dem man reden möchte, dann denke ich, ist Gott ein ziemlich guter Anlaufpartner. Indem man dann mit ihm spricht oder auch in Friedensgottesdiensten ...Das hilft einfach, weil man sieht, man ist nicht alleine.

Autorin: So bleibt für Antje Weirauch der 11. September trotz allem Schrecken ein Tag, an dem auch gefeiert werden darf. Ihre Botschaft an alle, die sie sie heute Geburtstag haben:

O-Ton: Lasst euch nicht von solchen Leuten unterkriegen. Ich hab immer früher gesagt: Ich war zuerst da und deshalb feiere ich auch meinen Geburtstag und man darf solche Leute nicht gewinnen lassen, indem man nur noch Angst hat und nur noch traurig ist, denn das ist genau das, was diese Leute erreichen wollen.

 

Audiobeitrag Der elfte September


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