Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.09.06, 6.30-07 Uhr, Thomas Förster

Du denkst immer nur in echt!

Gedankenverloren sitzt die kleine Marie in ihrer Spielecke. Sie rührt und kocht und schenkt Fantasiekaffee in kleine Plastiktassen an ihre Fantasiegäste aus.

Solange bis ihre Mutter Anne ins Zimmer kommt und zum Abendessen ruft. Marie will nicht: „Mama! Gerade jetzt sitzen wir hier so gemütlich an unserem Kaffeetisch!“  Doch Anne bleibt hart: „Marie! Hier gibt’s keine Kaffeetisch, sondern nur ein paar Spielzeugplastiktassen. Und die räumst du jetzt sofort weg!“ Marie guckt sie an - halb mitleidig und halb vorwurfsvoll. „Mama!“, sagt sie, „du denkst auch immer nur in echt.“

Mir kommt es bei vielen Leuten so vor, als dächten sie immer nur in echt. Die echte Welt ist für sie das, was sie in ihrem Alltag erleben oder in den Nachrichten gezeigt bekommen. Sie glauben, am Zustand der Welt könne man nicht wirklich was verändern - nur versuchen, für sich selber das Beste daraus zu ziehen. Träume und Visionen halten sie für Kinderkram, den man schnell wegräumen muss, wenn es ernst wird.

Die Bibel ist voll von Visionen. Von Entwürfen für eine bessere Welt. Bilder von einer Welt, in der alle satt werden und in der Soldaten keine Arbeit mehr haben. In der sich die Menschen gegenseitig respektieren und für einander da sind. Ich brauche diese Visionen, um mich mit vielem, was schlecht läuft in dieser Welt, nicht einfach abzufinden. Ich glaube, dass es sich lohnt, was dafür zu tun, dass diese Welt besser wird. Ganz in echt!

 

Audiobeitrag Du denkst immer nur in echt!


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