Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.09.06. 7.50 Uhr, Pfarrerin Silke Janssen

"Großer Gott wir loben dich"

„Bleib so, wie Du bist!“ Das wünschen Freunde dem Geburtstagskind oder Kollegen dem Jubilar.

Meistens ist dieser Wunsch verbunden mit einer innigen Umarmung oder einem festen Händedruck. Man möchte die guten, liebenswerten Seiten eines Menschen für sich bewahren und möchte auch, dass er sie bewahrt. Leider gibt es keine Garantie dafür, dass ein Mensch seine guten Eigenschaften pflegt und entwickelt und sich von seinen schlechten langsam aber sicher verabschiedet. Manchmal eben geht es genau andersrum.

Wie schön, wenn da einer sagen kann: „Ja, ich bleibe so, wie ich bin. Meine guten Eigenschaften verändern sich nicht. Darin bin ich berechenbar“. Wenn das einer so gewiss von sich sagen kann, ist das eine Grund zu staunen und voller Ehrfurcht vor ihm zu stehen. „Ich bin, der ich bin“ sagt Gott von sich. Ein Grund, Gott mit einem Kirchenlied zu antworten und ihn zu loben.

 1. Strophe
„Großer Gott, ... in Ewigkeit“

Großer Gott, wir loben dich. Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit. Dieses alte Kirchenlied aus dem 18ten Jahrhundert ist eines der meistgesungenen. Ganz gleich, ob zur Firmung, Konfirmation, zur Hochzeit oder Taufe oder im ganz normalen Gottesdienst - dieses Lied gehört zum kleinen Einmaleins des Liedrepertoires. Wenn ich es singe, geht mir immer wieder das Herz auf. Es ein erhebendes und Mut machendes Lied. Es ausdrückt, worum es geht: Gott zu loben für das, was er ist und das, was er tut. Loben - was heißt das? Natürlich, ein Kind lobt man für etwas, was es gut gemacht hat. Oder ein Vorgesetzter lobt seine Mitarbeiter, wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde. Einen Menschen lobt man für seine Leistung. Aber Gott?

Ich will den Herrn loben allezeit. Sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen.

Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mit ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Gott zu loben ist mehr, als einen Menschen zu loben. Das machen diese beiden Ausschnitte aus Psalm 34 und Psalm 103 deutlich.

Denn da schwingt mehr mit. Da geht es nicht um Anerkennung wie bei einem Menschen. Wenn ich Gott lobe, schwingt meine Seele mit. Voller Dankbarkeit und Freude. Voller Zuversicht, innerer Ruhe und Gelassenheit. Da ist mein Lob nicht waagerecht auf einen Menschen ausgerichtet, sondern senkrecht nach oben. Hin zu Gott.

1. Strophe noch einmal
„Großer Gott, ... in Ewigkeit“

Es sind nicht nur die Menschen, die Gott loben. Es ist auch die gesamte Erde, die sich vor dem Schöpfer und seiner Allmacht verneigt und ihn damit lobt. Das ist vielleicht etwas schwer zu verstehen. Aber in der Bibel wird oft davon berichtet, dass nicht nur der Mensch in Verbindung zu Gott steht. In Psalm 69 heißt es zum Beispiel:

Es lobe ihn Himmel und Erde, die Meere mit allem, was sich darin regt. Alle Lebewesen verneigen sich vor Gott. Himmel und Erde loben voller Ehrfurcht den, der sie erschaffen hat. Es mag etwas Mystisches haben, aber diese Zeile drückt aus: Die Erde, der Himmel, alle Geschöpfe erinnern sich daran, wer sie erschaffen hat. Wer die Allmacht hat. Die Macht über Leben und Tod, über Regen und Wind, über Sommer und Winter. Es ist Gott.Aus Dankbarkeit für das Leben und vor lauter Ehrfurcht verneigt sich die gesamte Erde vor diesem Schöpfer.

2. Strophe
„Alles, was ... heilig zu“ 

Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, stimmen dir ein Loblied an. Alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh: „Heilig, heilig, heilig“ zu.Selbst Engel und engelsgleiche Wesen wie Cherubim und Seraphinen stimmen ein Loblied auf Gott an.

Die Engel Cherubim sind in der Bibel die Wächter des Paradieses und Träger des Gottesthrons. Auch die engelsgleichen Seraphim sind himmlische Wesen. Mit Händen und Füßen wie Menschen, aber mit sechs Flügeln sah sie der Prophet Jesaja im Alten Testament über Gott im Tempel stehen. Und er sah sie einander zurufen:

„Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt“.

Jesaja berichtet weiter, dass die Schwellen im Tempel von ihrem lauten Rufen bebten.

Können Sie sich das vorstellen? Wenn engelsgleiche Wesen anfangen, Gott zu loben? Mit ihren lauten Stimmen voller Inbrunst und Freude? Ja, dann ist klar, dass der Tempel bebt.

3.Strophe
„Heilig, Herr Gott Zebaoth, ...

Heilig, Herr Gott Zebaoth! Heilig, Herr der Himmelsheere! Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.
Noch einmal geht es um  die Allmacht Gottes an. Diesmal um die kriegerische Macht, die Gott auch hat: Die Macht über die Himmelsheere. Gott ist der Oberbefehlshaber über die himmlischen Heerscharen, die gegen das Böse kämpfen; die Retter in der Not. Er schickt sie, um für uns zu kämpfen. Gott und seine Heerscharen, starke Helfer in der Not.. Das ist ein wunderbares Bollwerk gegen die Angst. Deshalb stimme ich immer wieder gerne in dieses Lied mit ein. Es gibt Mut, Zuversicht, auch Sicherheit. Also - lassen Sie uns noch einmal Gott für seine Hilfsbereitschaft, Allmacht und Stärke loben.

1.Strophe nochmals
Großer Gott ... Ewigkeit.

Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrerin Silke Jansen aus Essen über den Choral “ Großer Gott, wir loben Dich“ im Satz von Heinrich
Neuß nach einer Textübersetzung von Ignaz Franz. Es sang das Consortium Vocale Münster unter Leitung von Heinz-Gert Freimuth.


             

 

 

Audiobeitrag "Großer Gott wir loben dich"


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