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Schuld der Eltern?
Muss man Adam und Eva nicht einen Vorwurf machen? Als Eva den ersten Säugling in den Armen hält, jubelt sie überglücklich: Gott hat mir einen Sohn geschenkt.
Ich will ihn Kain nennen. Kain heißt hebräisch: Einen Zugewinn machen, etwas erwerben. Das klingt nach Kraft und Erfolg. Vielleicht ist Kain ein besonders kräftiges Baby. Die Eltern sind wahnsinnig stolz. Dass dann noch ein zweiter Sohn kommt, wird so nebenbei erwähnt. Die Eltern nennen ihn Abel, das heißt ein Windhauch. Vielleicht war Abel ein mickriges Frühchen.
Der erste ist der ganze Stolz und die tiefe Freude der Eltern. Und der andere, richtig, den gibt es ja auch noch. Erst ist Rivalität zwischen den beiden. Dann Hass. Das Ende ist bekannt: Kain erschlägt seinen Bruder.
Ob Adam und Eva daran schuld sind? Sie haben das doch nicht absichtlich gemacht, die Vorliebe für den einen kam aus dem Herzen, war spontan, echt. Können Eltern etwas dafür, dass sie ein Kind mehr mögen als das andere?
Das eine Kind wirkt freundlicher, das andere wirkt schüchtern und verklemmt. Das eine Kind ist behindert und bindet die Liebe der Eltern, der andere ist total gesund, bekommt wenig, zu wenig Beachtung. Das eine Kind schreibt die besseren Noten, es wird dem anderen mit seinen schlechteren Noten als Vorbild vorgehalten. Das schürt die Rivalität.
Manchmal sind die Eltern heimlich enttäuscht. Der Vater hätte gern einen Sohn der Fußball spielt, aber der Sohnemann liest lieber Bücher. Die Mutter stammt aus einer Musikerfamilie und ist enttäuscht, weil ihre Tochter es auf dem Klavier nur bis zu Schumanns Fröhlichen Landmann geschafft hat und zu Weihnachten nur mit Mühe den Tannenbaum gespielt kriegt. Die Kinder spüren die Wertungen der Eltern. Das schürt die Rivalität.
Die Eltern tun ihr Bestes, aber leider unterlaufen ihnen Fehler. Auch Eltern haben ein Recht auf Fehler. In der Bibel gibt es keinen Vorwurf gegen Adam und Eva, dass es mit den Söhnen nicht geklappt hat. Und wenn Kain, der Mörder, sagen würde: Meine Eltern sind an allem schuld! dann käme er bei dem Gott dieser alten Geschichten nicht durch. Kain, du bist der Täter, du bist schuldig, du allein.
Jeder von uns geht seinen Lebensweg von seinem Elternhaus aus. Aber welches Ziel er erreichen will, das ist schließlich seine Sache. Wir haben in unserem Rucksack viel, was uns die Eltern mitgegeben haben: meistens ist es Gutes, aber es gibt auch Schlechtes.IIrgendwann muss jeder entscheiden: das behalte ich, weil es gut ist, und das stoße ich ab, weil es schadet.
Kain hätte die Geschwisterrivalität, die ihm schon vom Elternhaus mitgegeben war, überwinden müssen. Er hätte es auch gekonnt. Darin steckt Gottes Barmherzigkeit in unserem Leben: dass uns einerseits die guten Seiten der Eltern bereichern, andererseits ihre Macken uns nicht ewig schädigen müssen.
Schuld der Eltern?
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