Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.08.06, 07-08 Uhr, Silke Bartel

Der zu mir rüberschaut

Hinter dem Haus meiner Eltern ist ein großes Feld. Neulich war ich da mal zu Besuch und habe gesehen: Wie der Bauer mit seinem Traktor kam und das Feld pflügen wollte.

Er fuhr vor und setzte seinen Sohn ab.  Sein Sohn war so fünf oder sechs Jahre alt. Sollte schon am Feld warten oder irgendwas machen. Weiß ich nicht. Und der Bauer fuhr dann los aufs Feld. Und der Sohn stand da, wirkte ein bisschen perplex.  Und plötzlich rief er noch seinem Vater hinterher:“ Papa, Papa!“ Und fing auch an, dem Traktor hinterher zu laufen. Was wohl für ihn überraschend, dass der Vater wegfuhr. Aber der Vater drehte sich nicht um. Und der Sohn gab nach ein paar Metern auf. Weil der Traktor schneller war. Nach 20, 30 Metern drehte sich der Bauer dann da oben auf seinem Bock hinter seinem Lenkrad um. Winkte noch mal seinem Sohn l und rief irgendwas, dass konnte man nicht verstehen.

In diesem Moment fing der Junge an zu grinsen. Über das ganze Gesicht. Das habe ich noch nie gesehen. Für ihn ging dann plötzlich die Sonne auf.

Jesus hat Gott auch mal Papa genannt. Okay, er hat damals Abba gesagt, was aber übersetzt „Papa“ heißt. Es heißt: Dieser eine da, dass ist der zu dem ich gehöre. Dass ist der, von dem ich selbstverständlich ein Lächeln, ein Winken, ein gutes Wort erwarten kann. Und dass ist der, der zu mir rüberschaut, wenn ich rufe.

Sprecher: Gernot Hoersch

Audiobeitrag Der zu mir rüberschaut


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