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An die Wand gedrückt
Ein Gefängnis. 700 Gefangene. Vor allem junge. Angst liegt in der Luft. Schon für Kleinigkeiten, wird man hier gehängt.
Der eine hat in einem unbedachten Moment einen Witz über Adolf Hitler gemacht. Der andere hat heimlich den englischen Radiosender BBC gehört. Der dritte konnte den Anblick einer bis auf die Knochen abgemagerten Polin einfach nicht mehr ertragen. Steckte ihr ein Stück Brot zu. Das galt zu der Zeit meiner Großeltern als wehrkraftszersetzend. Darauf stand die Todesstrafe.
Ein Gefängnis. 700 Gefangene. Unter ihnen auch ein Pfarrer. Dietrich Bonhoeffer. Er arbeitete in einer Widerstandgruppe gegen die Nazis. Jetzt ist er ihnen ausgeliefert. Abgeschnitten von seinen Eltern, seinen Freunden, seiner Freundin. Er fühlt sich in die Enge getrieben, an die Wand gedrückt, spielt er mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen.
Die Wärter bitten ihn, Gebete für seine Mitgefangenen zu schreiben. Weil deren Angst so groß ist. Vor allem vor den Verhören und dem Strick. Und Bonhoeffer schreibt, betet verzweifelt, betet voller Trost. Die andere beten es nach:
Sprecher In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht. Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.
Sprecherin Ein Gefängnis. Keine Kirche, kein Weihrauch, kein Talar, keine Kerze. Am Ende ein Galgen. Hier passierte es: Menschen bleiben mutig und aufrecht. Angesichts ihrer Mörder.
Sprecherin: Christiane Birgden
An die Wand gedrückt
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