Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.08.06, 6.56 Uhr, Pfarrerin Antje Rösener

Alltagstrott

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, In dieser Woche lassen wir die Sommerferienwochen endgültig hinter uns.

In die Schulen kehrt der Alltag ein, in die Familien mit schulpflichtigen Kindern auch. Die Kinder müssen morgens wieder aus dem Bett geworfen werden, Hausaufgaben sind zu machen, Vokabeln zu lernen und auch an den Noten unter den Klassenarbeiten führt kein Weg mehr vorbei. „Man lebt in keiner Zeit so intensiv wie im Urlaub“ sagte kürzlich eine Freundin und ich frage mich in diesen Tagen, wo der Urlaub endgültig hinter mir liegt, stimmt das eigentlich??? Wie ist das mit dem Leben im sogenannten Alltagstrott?? Ist das weniger intensiv, weniger dicht als das Leben im Urlaub? Intensiv scheint mir nicht das richtige Wort zu sein. Denn auch mein Alltagstrott hat viele schöne, intensive Seiten: Grillabende mit Nachbarn oder Freunden, das Schwätzchen mit Kollegen oder auch manchmal beim Einkauf. Das Joggen am frühen Morgen durch den noch nebelverhangenen Wald oder das Fiebern auf dem Fußballplatz, wenn die Fußballmannschaft meines Sohnes zum wiederholten Mal gegen den Torpfosten schießt und der Schiedsrichter wieder mal ein Foul der Gegner übersieht. Es ist für mich etwas anderes, was dem Urlaub seinen Glanz gibt und von dem ich gerne mehr in meinen Alltag retten würde.

Zitat / Sprecher:
„Darum sage ich Euch: Sorgt nicht um Euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid Ihr denn nicht viel mehr als sie? Und warum sorgt Ihr Euch um Eure Kleidung? Seht doch die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Darum sorgt nicht für morgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“
(Mt. 6,25+26+28+34)

Es ist die Sorglosigkeit, die ich im Urlaub so genieße und nach der ich mich im Alltag oft sehne. Jesus beschreibt sie ganz wunderbar: Das Leben ist doch mehr als die Arbeit, als die Mühe, sein Geld zu verdienen. Auch die Kleidung, das, was du hast und besitzt, dir kaufst oder auch nicht, soll dich nicht so sehr beschäftigen, schon gar nicht grämen – so verstehe ich seine Worte. Weniger Sorge um Arbeit, Hab und Gut, mehr Vertrauen. Mehr Vertrauen in Gott. Man könnte das naiv finden, es ist vielleicht sogar naiv – jedenfalls wenn man diese Empfehlung, die Jesus damals den Menschen gegeben hat – wenn man sie als einzige Richtschnur für sein Leben nimmt. Denn, das weiß jeder: Wer nicht sorgt, wer nicht vorsorgt, wer nicht kalkuliert und rechnet, der sieht in unserer Gesellschaft alt aus. Nicht ein: „Überhaupt-nicht-Sorgen“ ist wohl gemeint. Sondern ein „Weniger-Sorgen“. Wie man das anstellen kann? – Einen Tipp gibt der Bibeltext. Die Vögel unter dem Himmel anzuschauen oder die Lilien auf dem Feld. Die Augen werfen auf das, was längst schon da ist, was ich nicht erst mühevoll herbeischaffen muss. Die Augen werfen auf das, was in aller Leichtigkeit den Himmel durchkreuzt oder prachtvoll die Erde schmückt. Gewahr werden, was Gott mir täglich vor die Augen legt. So wächst das Vertrauen. Das Vertrauen in Gott, meint Jesus. Und so wird das Herz leichter und frei für Momente der Sorglosigkeit - auch jenseits von Urlaub, Sonne, Strand und Meer.

 

 

Audiobeitrag Alltagstrott


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