Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.08.06, 15-16 Uhr, Gernot Hoersch

Volkes Stimme

In der Grundschule hatte ich einen Jungen in der Klasse, der Christoph. Der benutzte immer ganz viele Fremdwörter, wenn er sich mit der Lehrerin unterhielt.

Das klang immer sehr gebildet, ich habe dies bewundert. Und eigentlich war ich auch neidisch, weil ich gar nichts davon verstanden habe. Aber irgendwie: Er konnte sich schon so „Erwachsen“ ausdrücken.

Irgendwann ging ich zu meinem Vater gegangen und ich war regelrecht wütend und sagte: „Warum hast Du uns nicht auch so viele Fremdwörter beigebracht? Der Christoph drückt sich immer so toll aus und ich kann das nicht.“

Mein Vater schaute mich ganz ruhig an und sagte: „Verstehst Du denn, was er sagt?“ Nein, natürlich verstand ich nicht immer, was er sagte, weil ich die Wörter nicht kannte, das war ja der Grund, warum ich so wütend war.

Mein Vater sagte aber ganz ruhig: „Weißt Du mein Junge, im Leben ist es wichtig, sich so aus drücken zu können, dass Dich die Leute verstehen. Was bringt es Dir, wenn Du zwar geschwollen reden kannst. Klar, schön, aber dich versteht keiner“. Von da an ich mich im Unterricht umgeschaut, wenn Christoph was sagte und ich nichts verstand hatte und sah, den  anderen ging genauso wie mir. Heute glaube ich, dass es eine Gabe ist, sich ausdrücken zu können, dass die Leute einen verstehen.

Und genau das war es auch, was Jesus so besonders machte, dass er dem einfachen Volk seine Dinge mit einfachen Worten schildern konnte. Nicht nur einer gebildeten Oberschicht, sondern auch den Bauern, Fischern und Handwerkern von Gott erzählte. Und jeder hat ihn verstanden,

Sprecher: Gernot Hoersch

Audiobeitrag Volkes Stimme


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