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Zeit für die Liebe
Eine Legende erzählt von einem jungen König.Der wollte das Land gut regieren und war außerdem sehr wissbegierig. Er bat die Weisen seines Landes:
"Tragt alles Wissenswerte über das Leben zusammen." Die Gelehrten machten sich fleißig an die Arbeit und legten nach 40 Jahren das Ergebnis ihrer Studien in tausend Bänden vor. Der König war inzwischen 60 Jahre alt. Weil er die tausend Bücher nicht mehr alle lesen könne, bat er die Gelehrten, das Wichtigste herauszuschreiben. Nach weiteren zehn Jahren hatten die Weisen ihre Einsichten in das Leben in hundert Bänden zusammengefasst. Der König sagte: "Das ist noch zu viel. Mit siebzig Jahren kann ich nicht mehr hundert Bände studieren. Schreibt nur das Allerwichtigste auf!" Die Gelehrten gingen wieder an die Arbeit und brachten das Allerwichtigste in einem einzigen Buch zusammen. Damit gingen sie zum König. Doch der lag schon im Sterben und wollte von den Gelehrten nur noch das Wichtigste vom Wichtigsten aus ihrer Arbeit erfahren. Da fassten sie es in einem einzigen Satz zusammen und sagten: "Die Menschen leben, suchen das Glück, leiden und sterben; und was wichtig ist und überlebt, ist die Liebe, die empfangen und geschenkt wird."
Die Liebe, die empfangen und geschenkt wird, ist das Wichtigste. Das ist eine wohltuende Prioritätensetzung. Denn es gibt ja noch so viele andere Wichtigkeiten, um die ich mich heute kümmern muss. Aber wenn es um die Liebe geht, ist alles andere zweitrangig.
Jesus hat immer wieder darauf hingewiesen: Die Liebe ist das Geheimnis, mit dem Gott die Herzen regiert. Die Liebe ist so etwas wie ein Kraftfeld, mit dem Gott die Welt in guten Bahnen hält. Jesus sagt: Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! (Johannes 15,9)
Er sagt diese Worte, als er Abschied von seinen Jüngern nimmt. Hinter ihnen liegen wunderbare Erfahrungen. Viel haben die Jünger schon mit der Kraft der Liebe erlebt. Sie waren dabei, als Jesus Blinde, Lahme und Aussätzige heilte. Sie haben erlebt, wie Jesus Zöllnern und Sündern sagte, dass Gott sie nicht aufgegeben hat; und wie er den Selbstgerechten mit harten Worten klarmachte, dass sie Gottes Freundlichkeit im Wege stehen.
Nun liegt vor den Jüngern eine ungewisse Zukunft. Jesus wird nicht mehr lange in ihrer Mitte sein. Was bleibt dann von seinen Worten und Taten? Was bleibt von ihren gemeinsamen Erlebnissen? Woher sollen sie die Kraft nehmen, seine Arbeit weiterzuführen? Da sagt Jesus etwas zu seinen Jüngern, das zu dem Wunderbarsten gehört, was ich in der Bibel lesen kann. Er sagt sinngemäß: "Ich habe euch lieb. Komme, was wolle: Nichts und niemand kann euch aus dem Kraftfeld meiner Liebe vertreiben. Ihr seid meine Freunde und Freundinnen. Ich helfe euch dabei, dass euer Leben voller Freude sein kann - und auch andere sich daran freuen können. Wenn ihr mit mir in Verbindung bleibt, so wird all eure Arbeit gesegnet sein und Bestand haben. (Vgl. Johannes 15,9-17)
Diese Zusage ist auch für mich eine Rückenstärkung. Ich sehe den neuen Tag mit anderen Augen; die Aufgaben, die vor mir liegen, und die Menschen, denen ich begegnen werde. Nicht aus eigener Kraft muss ich großartige Dinge erreichen. Ich kann mein Leben von der Liebe Gottes durchwirken lassen - so, wie sich die Pflanzen von der Sonne bescheinen lassen und ihre Früchte bringen.
Zeit für die Liebe
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