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Keine Zeit?
"Als Gott dem Menschen die Zeit schenkte, war von Hektik keine Rede." Dieser Spruch war gesprüht an eine Autobahnbrücke. Richtig, dachte ich noch:
Zeit ist ein kostbares Geschenk - vielleicht das Wichtigste in einem Leben. Aber wie gehe ich sinnvoll damit um?
Ein Sechzigjähriger fragte mich: "Kennen Sie schon den neuen Rentnergruß?" Ich sah ihn ratlos an und zuckte mit den Schultern. Da winkte er grüßend mit der rechten Hand durch die Luft und rief: "Keine Zeit! Keine Zeit!" Ich frage mich: Ist das denn tatsächlich ein Gütesiegel für ein erfülltes Leben, wenn man anderen zwar resigniert, aber stolz signalisieren kann: "Ich bin so beschäftigt! Ich habe keine Zeit!" - und das auch noch als Rentner?
Verlassen wir einmal gedanklich die Autobahn des Lebens. Verschwenden Sie sozusagen auf den Feldwegen getrost Ihre Zeit. Keine Sorge: Ich empfehle Ihnen nun nicht eine Einstellung, vor der schon der Schriftsteller Erich Kästner augenzwinkernd warnt, nämlich: Denkt an das Gebot: / Schlagt eure Zeit nicht tot.
Außerdem haben heute wieder viele einen vollen Terminkalender und einen anstrengenden Tag vor sich. Sie wissen selbst, dass man auf der Überholspur leicht die kleinen aber wichtigen Dinge des Lebens übersehen kann. In der Schnelllebigkeit unserer Zeit muss ich meine innere Balance behalten. Wenn mich nämlich der Stress erst aus dem Gleichgewicht gebracht hat, ist keine rechte Kraft mehr da für die Herausforderungen des Tages.
Deshalb erlauben Sie sich zwischendurch immer mal wieder ein Schneckentempo. Parken Sie die Sorge "Ich könnte ja etwas versäumen!" auf dem Grünstreifen, und atmen Sie bei einem gedanklichen Spaziergang tief durch.
Machen Sie es wie der kleine Prinz, von dem der französische Dichter Antoine de Saint-Exupery erzählt. "Guten Tag", sagte der kleine Prinz. "Guten Tag", sagte der Händler. Er handelte mit höchst wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr, zu trinken. "Warum verkaufst du das?" sagte der kleine Prinz. "Das ist eine große Zeitersparnis", sagte der Händler. "Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten in der Woche." "Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?" "Man macht damit, was man will ..." "Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte", sagte der kleine Prinz, "würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen ..."
In der Bibel finden sich viele gute Gedanken zum Umgang mit der Zeit. Dem weisen König Salomo werden folgende Worte zugeschrieben. Sie handeln von der richtigen Balance unter der Überschrift: Alles hat seine Zeit.
Sprecherin: Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
Autor: Daraus folgert der Weise:
Sprecherin: Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes
Keine Zeit?
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