Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.07.06, 7.50 Uhr, Pfarrer Reinhard Ellsel

Freude an der Schöpfung

Autor: Der Dichter Matthias Claudius beschreibt die Schönheit der Schöpfung im späten Frühling: Sprecherin: "Aber die Lenzgestalt der Natur ist doch wunderschön;

wenn der Dornstrauch blüht und die Erde mit Gras und Blumen pranget! So ein heller Dezembertag ist auch wohl schön und dankenswert, wenn Berg und Tal in Schnee gekleidet sind und uns Boten in der Morgenstunde der Bart bereift;
aber die Lenzgestalt der Natur ist doch wunderschön! Und der Wald und die Blätter, und der Vogel singt, und die Saat schießt Ähren, und dort hängt die Wolke mit dem Bogen vom Himmel, und der fruchtbare Regen rauscht herab -
 Wach auf mein Herz und singe Dem Schöpfer aller Dinge -`s ist, als ob Er vorüber wandle, und die Natur habe Sein Kommen von ferne gefühlt und stehe bescheiden am Weg in ihrem Feierkleid und frohlocke!"

Autor:
Die Worte von Matthias Claudius drücken auch meine Freude aus, die ich beim Betrachten der sommerlichen Schöpfung empfinde. Es gibt Momente, da wird mein Herz sehr weit; beim Anblick einer blauen Wolkenlandschaft oder von farbenprächtigen Blumen im Garten. Ich staune über die Pracht der Schöpfung und entdecke hinter ihr dankbar den Schöpfer. Ich spüre, wie gut Gott es mit uns Menschen meint: Dieser Reichtum, dieser Überfluss an Farben und Formen, diese Vielfalt an Düften. Gott hätte uns ja auch in eine nüchterne Welt aus grauem Beton setzen können, wo nur das Nötigste vorhanden ist.

Ich empfinde in solchen Momenten eine tiefe Dankbarkeit und Zufriedenheit. Ich möchte solche Glücksmomente, die ich als Geschöpf in Gottes guter Schöpfung empfinde, nicht missen. Deshalb lasse ich mich im Sommer gerne auf eine Entdeckungstour in der Schöpfung einladen - ganz nach den klassischen Worten des Liederdichters Paul Gerhardt:

Sprecherin: 
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.

Autor:
Bei so viel Überschwang im Herzen, ist natürlich auch die nüchterne Frage erlaubt: Ist das denn nicht alles bloßer Zufall? Bildet sich mancher Mensch das denn nicht bloß ein, dass die Natur das Werk eines Schöpfers ist?

Die naturwissenschaftliche Erforschung der Schöpfung schließt den Glauben an einen Schöpfer nicht aus. Schon für die Naturwissenschaftler Kopernikus, Galilei und Newton ging es darum, in der Schöpfung wie in einem Buch zu lesen.
Gott hat dieses Buch geschrieben, und er hat dem Menschen den Verstand gegeben, damit er dieses Buch entziffern kann. Der australische Physiker Paul Davies hat als Summe aller nötigen Zufälle vom so genannten "Urknall" bis zur Entstehung des menschlichen Lebens die nicht mehr schreibbare Zahl von 10 hoch 200 hoch 20 errechnet. Das ist eine Zahl mit mehr Nullen als das Universum Atome hat. Bei den meisten Astrophysikern ist aus wissenschaftlicher Datensammlung ein Gefühl von dankbarer Ehrfurcht entstanden.

Der Blick in die Schöpfung lehrt den Menschen das Staunen - damals und heute: Ein guter, ein ungemein kreativer Wille steht hinter allem. Wir Menschen sind nicht das zufällige Produkt einer blinden Evolution. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder wird gebraucht.

 

Audiobeitrag Freude an der Schöpfung


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