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Was Kirche und Kirmes miteinander zu tun haben
Es ist halb elf. In einer Stunde wird hier in Lünen die Kirmes eröffnet. Einzelne Besucher sind schon unterwegs. Vor allem Kinder.
Schausteller sind mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Nur der Autoscooter ist noch nicht einsatzbereit. Die Elektroautos stehen in der Ecke. Auf der Fahrfläche stattdessen Stühle. Und ein Tisch mit einem Kreuz. Ich frage ein paar Kinder:
O-Ton 1: Wisst Ihr, was gleich hier passieren wird? Ja, Gottesdienst. Also da kommt der halt ehm der Pastor glaub ich und der stellt sich halt da hin und der kündigt dann halt an, dass die Kirmes dann auf ist.
Autor: Einer der Verantwortlichen weiß es ganz genau:
O-Ton 2: Auf dem Autoscooter findet gleich der Schaustellergottesdienst statt. Um elf Uhr. Der geht so ca. bis 11.45. Kirmes wird dann mit 3 Böllerschüssen eröffnet und bis zwölf Uhr sind dann Freifahrten auf allen Fahrgeschäften.
Autor: So ein Gottesdienst für Schausteller kommt auch bei den Besuchern gut an:
O-Ton 3: Das auf der Kirmes hier, das find ich schon ganz gut. Auch für die Schausteller hier. Die sollen auch mal zum Gottesdienst kommen.
O-Ton 4: Find ich gut, dass das für die Leute gemacht wird. Damit sie nicht extra irgendwo hin müssen. Sie sind ja hier eingebunden. Und dass sie so halt auch ihren Seelenbeistand kriegen.
Autor: Ein anderer Verantwortlicher erklärt mir den Hintergrund:
O-Ton 5: Die Schausteller waren schon immer gottesfürchtige Leute. Und das dokumentiert sich auch darin, dass bis vor glaub ich zwei Jahren eh die evangelische Kirche einen eigenen Schaustellerpfarrer hatte.
O-Ton 6: Und jetzt macht das immer ein örtlicher Geistlicher.
Autor: Tatsächlich gibt es in NRW keine eigenen Circus- und Schaustellerseelsorger der Ev. Kirche mehr, wohl aber in anderen Bundesländern. - Mittlerweile kommen immer mehr Menschen zum Autoscooter. Ich frage sie, was Kirche und Kirmes miteinander zu tun haben.
O-Ton 7: Na eigentlich gar nichts, nech. Dat is, weißes nicht, warum se das machen.
O-Ton 8: Das weiß ich zwar nicht. Aber ich find das in Ordnung, weil so wird alles gesegnet, auch von Gott so, dass auch nichts passiert.
O-Ton 9: Ja, man könnt ja auch fragen: Was hat Kirche mit Menschen zu tun? Ich mein, es sind Menschen hier. Insofern.
O-Ton 10: Ich denke, das Zusammenleben der Menschen hat immer was mit Kirche zu tun. Und Kirmes ist eine Lebensart. Und das gehört eigentlich auch zusammen zum Leben.
O-Ton 11: Gott is überall, und man soll auch zu allen möglichen Gelegenheiten die Schanse haben, mit Gott zu sprechen.
O-Ton 12: Ja, hier in Lünen isses ja zumindest traditionell, ne. Und n paar besinnliche Minuten aufer Kirmes tun auch allen mal glaub ich ganz gut.
O-Ton 13: Ja, ich find das super, dass so ne Kirmes eben tatsächlich mit nem Gottesdienst eröffnet wird. Eh Kirmes is ja glaub ich auch ursprünglich irgendwas gewesen, was mit Kirchfesten zu tun hatten. Und eh letztendlich eh is es ja auch so, dass der Gottesdienst ziemlich gefüllt ist. Also. Kommen ja doch einige Leute. Von daher find ichs ne gute Idee.
Autor: Inzwischen hat der Gottesdienst begonnen. In seiner Predigt erinnert der Pfarrer an die Wurzeln der Kirmes. Dass Kirmes eigentlich Kirch-Mess heißt und an die Einweihung einer Kirche erinnert. Wer heute über den Rummel geht, merkt nicht mehr viel davon. Der Gottesdienst erinnert an die kirchlichen Ursprünge. Aber für mich ist etwas anderes viel wichtiger: Fast alle Besucherinnen und Besucher haben eine eigene Antwort gegeben, warum der Kirmesgottesdienst für sie wichtig ist: Weil er mit dem Leben und den Menschen zu tun hat. Weil man Gott an den erstaunlichsten Orten begegnen kann. Und weil von ihm ein Segen ausgeht. Am Ende spielen noch einmal die Posaunen. Und dann wird die Kirmes eröffnet.
Was Kirche und Kirmes miteinander zu tun haben
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