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Fußball die schönste Nebensache der Welt! Und die Hauptsache?
Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, diesen Satz hört man immer wieder, besonders hier bei uns im Ruhrgebiet, wo zahlreiche WM-Spiele stattfinden. Mein Name ist
Michael Nitzke und ich bin Pfarrer in Dortmund. Meine Gemeinde Kirchhörde liegt in Sichtweite des Stadions, und wenn man diesen Rummel mitbekommt, fragt man sich, ob Fußball nicht die Hauptsache ist? Denn jeder wünscht ein Stück von dem Kuchen abzubekommen. Die Fußballer wünschen sich Erfolg! Die Siegertypen kehren in ihre Ligen zurück und haben ihren Marktwert gesteigert. Sie können höheres Gehalt verlangen.
Die Bürgermeister der Austragungsorte wünschen sich Wirtschaftswachstum. Der Name ihrer Stadt ist nun in aller Welt bekannt, das muss sich auch im nächsten Jahr noch auswirken, hoffen sie! Museen, Vereine, Kirchen, alle Institutionen, die auf den WM-Zug aufgesprungen sind ziehen Bilanz, hat sich der Aufwand gelohnt? Haben sich die Fans auch für etwas mehr als die schönste Nebensache der Welt interessiert? Die Fußballfans gehen am Tag nach dem Finale wieder zur Arbeit. Sie sind traurig, zufrieden oder überglücklich, ihr Gehalt ändert sich dadurch nicht.
Die schönste Nebensache der Welt ist dann erst mal abgehakt. Aber in ein paar Wochen ist das wieder vorbei, dann man fiebert darauf hin, Tore zu se-hen, Punkte zu holen, Siege davon zu tragen, Meis-ter zu werden. Derweil pokern Rechtehändler um Millionen! Wer kann vom Fußball zu profitieren? Wer bekommt nun wirklich ein Stück vom Kuchen des Erfolgs ab? Wer steht auf der Siegerseite? Fußball, die schönste Nebensache der Welt! Eine Frage bleibt dabei allerdings offen: Wenn Fußball eine Nebensache ist, was ist dann eigentlich die Hauptsache?
Hauptsache gesund? Hauptsache einen guten Job? Hauptsache pünktlich Feierabend? Das, was der Nebensache gegenübersteht ist oft sehr materiell: Ein funktionierender Körper! Ein gutes Einkommen, um ihn am Leben zu erhalten! Ge-nügend Freizeit, um sich den Nebensachen zu widmen! Dieses Zusammenspiel, von Versorgung und Vergnügen, haben die Mächtigen zu allen Zeiten erkannt. Schon in antiken Zeiten hieß es, der Mensch brauche Brot und Spiele, panem et circenses. Der Mensch braucht sein Auskommen, und seine Zerstreuung. Ist das wirklich alles, Brot und Spiele? Gibt es etwas darüber hinaus? Die alten Römer wussten, wie sie den Bürger bei Laune halten mussten. Und ihr Prinzip hat sich bis heute fortgesetzt: Versorgung und Vergnügen, Auskommen und Zerstreuung.
Auf die heutige Situation übertragen, scheint es ganz einfach zu sein: Fußball gucken und zur Arbeit gehen, also Spiele und Brot?
Der Mensch lebt nicht von Brot allein! So heißt es in der Bibel, aber in diesem Satz steht nichts von Spielen oder Volksbelustigungen.
Musik
Jesus hat gerne Feste gefeiert, und wenn er sich vor den Volksmassen zurückgezogen hat, um allein zu sein, dann war das seine Form von Freizeitgestaltung. Ich will also nicht die schönen Nebensachen der Welt schlecht machen, sondern ich frage nach der Hauptsache.
SprecherIn 1: Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes geht.
Autor: Jesus wollte 40 Tage allein sein, als er dieses Wort gesagt hat. Er wollte sich ganz der Hauptsache widmen. Doch die Verlockungen der Nebensachen ließen nicht auf sich warten. Der Teufel stellt ihn auf die Probe: Mach diese Steine zu Brot, du kannst das doch! Darauf hin sagt Jesus die berühmt gewordenen Worte: Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes geht.
Nicht vom Bot allein. Jesus lässt die Nebensachen durchaus gelten, aber es gibt Zeiten, da gibt es wichtigeres. Was ist dieses Wort Gottes? Kann man davon leben?
Zunächst besteht Gottes Wort aus den 10 Geboten. Lebensregeln zum Umgang der Menschen miteinander und vor allem mit Gott. Lebensregeln, die vielen Menschen in Fleisch und Blut übergegangen sind. Jesus hat sie mit den Worten zusammen gefasst:
SprecherIn 2: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« und »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«
In der Bergpredigt hat er betont, dass von diesen Geboten auch nicht der kleinste Buchstabe weggenommen wird. Und er hat sie nach Meinung vieler noch verschärft. Ist das der Grund, warum wir so gerne von der Hauptsache zur Nebensache fliehen? Weil alles so schwer ist, weil die Spielregeln kaum einzuhalten sind? Wir unterwerfen uns nicht gerne Regeln, die uns von außen übergestülpt werden, wir wollen frei sein.
Aber gerade bei der schönsten Nebensache der Welt gibt es Spielregeln. Ein kleiner Verstoß wird mit der Verwarnung bestraft. Und jeder weiß, dass bei dickeren Dingern die rote Karte folgt: der Rauswurf, der Spielverweis. Wir, die wir uns selbst nicht gerne Regeln unterwerfen, werden beim Fußball gerne zum kollektiven Oberschiedsrichter: Das war nie und nimmer eine rote Karte, dafür hätte es höchstens Gelb geben dürfen. So regt sich der Zuschauer gerne auf und macht sich damit zum Richter über die Einhaltung der Regeln oder zum Anwalt der Spieler. Das war ein Schwalbe, der Schmerz war nur gespielt, da war nichts!
So scharf ist das Urteilsvermögen des Zuschauers. Einmal nicht selbst unter dem Zwang der Spielregeln zu stehen, einmal selbst Richter sein. Einmal selbst die Einhaltung der Spielregeln überwachen! Es ist sicher ein wichtiger Aspekt bei der schönsten Nebensache der Welt, dass die meisten Menschen sich außerhalb des Spieles befinden. 22 Spieler kämpfen gegeneinander und der Schiedsrichter sorgt mit seinen Assistenten für die Einhaltung der Regeln, und Milliarden von Zuschauern, schauen sich das aus sicherer Distanz an und können jederzeit ihre Kommentare dazu geben.
Nur die schönste Nebensache der Welt? Kehren wir von dem grünen Rasen zurück auf das Spielfeld des Lebens. Da sind wir selber mit im Spiel, da gelten für uns die gleichen Regeln wie für andere, da sind wir nicht Schiedsrichter sondern Spieler. Und da gestikulieren wir genauso wild, wenn uns einer einen Regelverstoß nachweist, wie die hoch bezahlten Männer auf dem grünen Rasen. Natürlich schlüpfen wir lieber bei der Nebensache in die Rolle der Zuschauer, als Akteure der Hauptsache zu sein. Denn hier bin ich selbst Spieler, stehe unter Beobachtung und bin der Kritik ausgesetzt. Aber die Hauptsache, das Wort Gottes, kann an-strengend sein, und das Spiel des Lebens dauert länger als 90 Minuten, da geht manchem die Puste aus.
Doch das Leben ist nicht nur ein Kampf, wie ein Halbfinalspiel oder ein Finale. Es gibt Zeiten der Ruhe im Leben, die länger sind als die Halbzeitpause. Und in diesen Zeiten der Ruhe höre ich nicht die Strafpredigt des Trainers, sondern die Trostpredigt Jesu: (Mt 5,3-10)
SprecherIn 3: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barm-herzigkeit erlangen. Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie wer-den Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Got-tes Kinder heißen. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen ver-folgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
Ja, Jesus tröstet die Verlierer. Das ist der Unterschied zwischen dem Spiel und dem Leben. Im Spiel zählt nur der Sieger. Die Daten der Welt-meister können Fußballfans auswendig. Aber die Zweitplazierten kennen nur noch die Fans aus dem eigenen Land, und wer kennt alle die Verlierer der Vorgruppenspiele der vergangenen Jahre? Nur die Statistiker in der Sportredaktionen.
Bei Gott werden aber die Verlierer zu Gewinnern. Die Sanftmütigen siegen über die Zweikampfstarken, die Friedfertigen sind besser dran als die Kämpfernaturen und die Gerechten angesehener als die Elfmeter-Erzwinger.
Musik
Viele Menschen bezeichnen die christlichen Lebens-egeln aus der Bergpredigt als untauglich für den Alltag, sie sehen das Leben lieber als einen Wett-kampf, wie es die Fußballspiele sind. Aber für Jesus sind sie die Spielregeln für das Leben. An anderer Stelle fasst er sie zusammen:
SprecherIn 4 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch un-tereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. (Joh 13,34)
Das ist das wichtigste Gebot, das Jesus nennt. Der Mensch lebt eben nicht von Brot und Spielen allein. Aber kann er nur von Luft und Liebe leben? Beides gehört zusammen, das Sichtbare und das Unsichtbare: die Luft zum Atmen, die mir der lieben-de Gott schenkt und das Brot, das mich am Leben erhält. Die Liebe ist die Grundlage des geistigen Lebens das Brot die Grundlage des körperlichen Lebens. Aber beides muss sich nicht ausschließen.
Leib und Seele gehören zusammen. Und die Klammer für beides ist die wahrhaftige Liebe im christlichen Sinne. Den Mitmenschen als Geschöpf Gottes akzeptieren. Ihn nicht als Maschine sehen, die funktionieren muss, sondern als ein Gegenüber wie du und ich. Den Mitmenschen nicht als Feind sehen, den ich besiegen muss, sondern als Schwester oder Bruder des einen Vaters im Himmel.
Wenn ich diese Hauptsache des Lebens begriffen habe, dann kann ich mich auch von Herzen an der Nebensache freuen. Dann kann ich jubeln über Tore und Punkte über ein erreichtes Viertelfinale, und dann kann ich es auch verschmerzen, wenn es nicht zum ersten Platz gereicht haben sollte.
Denn es war ja alles nur ein Spiel, ein Spiel mit dem viele zwar ihr Brot verdienen, aber eben nur ein Spiel. Doch Sport bleibt selbst in der Bibel nicht immer nur Nebensache. Einmal wird er ins Zentrum des Interesses gerückt. Das Training des Sportlers wird für den Christen zum Vorbild. Fußball kannte man in der Bibel zwar noch nicht, dafür aber die olympischen Sportarten Laufen und Boxen. Der Apostel Paulus schreibt:
SprecherIn 5 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerf-lich werde. (1. Kor 9,24-27)
Auf gut Deutsch heißt das: Auch Christen brauchen Training, auch Christen brauchen den Willen zum Sieg, sie brauchen die Sehnsucht nach dem Gewinn des ersten Platzes, sie brauchen den Traum vom Pokal oder vom Siegeskranz. Aber der Preis, den Christen gewinnen können, ist unvergänglich, an-ders als die irdischen Preise. Dass die antiken Lorbeerkränze verwelkten ist klar, aber wie ist das mit dem Pokal aus Gold? Wir hoffen, dass er lange überdauert.
Doch die Geschichte lehrt uns etwas anderes: Den ersten WM-Pokal gewannen 1930 die Uruguayer. Den zweiten Weltkrieg überlebe er in einem Schuhkarton. 1966 wurde er zum ersten Mal gestohlen. Ein Hund fand ihn schließlich wieder. 1970 durften ihn die Brasilianer nach dem dritten WM-Sieg behalten. Doch er wurde wieder gestohlen und von Dieben eingeschmolzen. Auch Gold ist vergänglich und der Ruhm sowieso, was nicht vergeht ist die Liebe Gottes, der wir nach eifern sollen wie ein durchtrainierter Sportler. So kann uns die schönste Nebensache der Welt den Blick für die Hauptsache schärfen: Das Wort Gottes. Seine Liebe, die er uns schenkt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch einen schö-nen Sonntag und eine spannende Weltmeisterschaft. Es verabschiedet sich aus der FIFA-WM-Stadt-Dortmund: Michael Nitzke, Pfarrer der Evangelischen Kirche.
Fußball die schönste Nebensache der Welt! Und die Hauptsache?
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