Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.07.06, 7.50 Uhr, Reinhard Ellsel

Geh aus, mein Herz, und suche Freud

Vor gut 350 Jahren hat Paul Gerhardt dieses Lied gedichtet. Mit seiner volksliedhaften Melodie von August Harder ist es zu einer Art kirchlichen "Sommerhymne" geworden.

Es ist ein "Sommergesang" auf die Güte Gottes, die sich im Sommer besonders farbenfroh und prächtig in der Schöpfung zeigt.

"Schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben".

Der 1607 in Gräfenhainichen geborene Theologe schreibt keine blutleeren Lehrsätze über das Walten Gottes in der Natur.
Vielmehr malt der Dichter mit seinen Worten farbenfrohe Bilder,
die positive Gefühle und gute Erinnerungen hervorrufen.
Die gesamte Schöpfung wird besungen.

Meine Gedanken und Gefühle gehen auf die Reise von "der schönen Gärten Zier" in die große und umfassende Schöpfung.
 
Auf vielen Busfahrten mit Gemeindegruppen habe ich diese lebensvollen Zeilen von Paul Gerhardt schon gesungen.
Das Lied bringt die Schönheit der Schöpfung zum Klingen.
Das Herz wird mir leichter.
Ich spüre etwas von der großen Güte Gottes, die sich hinter seiner guten Schöpfung verbirgt. Diese Farben, diese Fülle:
Gott muss ein Liebhaber des Lebens sein.

"Solange die Erde steht,
soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht." (1. Mose 8,22)

Diese Worte sprach Gott nach der Sintflut. So steht es in der Bibel.

Als Paul Gerhardt diesen Sommer-Gesang im Jahr 1653 dichtete, hatte nicht nur er, sondern ganz Deutschland eine Art "Sintflut" gerade erst hinter sich. Erst 1648 war mit dem "Westfälischen Frieden" der Dreißigjährige Krieg endlich beendet worden. Städte und Ortschaften waren geplündert und verwüstet - auch Paul Gerhardts Heimatdorf. Hungersnöte und Seuchen hatten gewütet - Pauls älterer Bruder Christian war der Pest zum Opfer gefallen.
Aber trotz aller Kriegsschrecken und geschehenen Greuel:

Die Erde steht. Und Gott erhält seine Schöpfung.
Trotz aller Torheit und Bosheit der Menschen:
Die Schöpfung atmet ihren eigenen göttlichen Rhythmus.
Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.

Die sichtbare Schöpfung ist ein Gleichnis für Gottes ewige Welt.
Gottes gute und schöne Schöpfung ist ein Abbild seines schönen und guten Wesens.
Auch Jesus hat darauf hingewiesen, zum Beispiel in der Bergpredigt:
                                                                       
"Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen:
sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird:
sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?" (Matthäus 6,28-30)

Jesus bringt es auf den Punkt:

In der Schöpfung erkenne ich Gottes Güte.
Mit seiner großen Güte sorgt Gott auch für mich.
Wer das erkannt hat, kann aufatmen und selber aufblühen.
Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzel treiben.
Verleihe, dass zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben.

Der Sommer öffnet meine Sinne für Gottes große Güte.
Das gibt meinem Leben Standfestigkeit
- wie bei einem Baum, der nun in vollem Saft steht.

Ich spüre, dass ich selbst zu Gottes guter Schöpfung dazu gehöre.
Mein Schöpfer freut sich an mir - so wie ich mich an einer schönen Blume erfreue.
Ich bin gewollt in Gottes Welt.

Audiobeitrag Geh aus, mein Herz, und suche Freud


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