|
Leichter werden für das Wesentliche
Und, was ist dieses Jahr Euer Urlaubsziel? Britta fragt ihre neue Kollegin beim Kaffee. Leichter werden! antwortete Inga schmunzelnd. Wie, ihr wollt eine Fastenkur machen?
Das habt ihr doch gar nicht nötig!
Nein, es geht nicht um´s Fasten. Jedenfalls nicht körperlich, erklärt Inga. Ich möchte innerlich leichter werden. Leichter für das Wesentliche. Das fängt schon mit dem Packen an. Früher habe ich das gehasst und immer bis zur letzten Minute rausgeschoben. Mit dem Ergebnis, dass ich mit einem dicken Koffer und zwei Taschen verschwitzt am Flughafen stand.
Seit ich Georg kenne, läuft das anders. Durch ihn ist das Packen zu einer kleinen spirituellen Übung geworden. `Nicht drei Taschen einen Rucksack mit dem Wichtigsten´ hat er gesagt. `Du musst die Hände frei haben und dich locker bewegen können, schließlich sind wir zu Fuß unterwegs.´ Also habe ich mir einen extra kleinen Rucksack gekauft, den ich gut tragen kann . Da kommt nur das rein, was ich wirklich brauche.
Auf unserer ersten Tour durch Holland dachte ich noch, dass diese Art zu Reisen für mich beschwerlich sei, weil mir vieles fehlen würde. Doch im Gegenteil: Ich habe nichts vermisst und viel gewonnen. Was mich vorher belastet hatte, verlor Schritt für Schritt an Gewicht und Bedeutung. Und ich öffnete mich für das Neue, das mir unterwegs begegnete.
Zum Beispiel an einem Sonntag. Da waren wir schon mehrere Stunden gelaufen und ziemlich müde, als wir mittags mit unserer kleinen Wandergruppe eine Stadt erreichten. Einige von uns setzten sich auf den Marktplatz. Georg wollte lieber ins Kühle und schlug mir vor, ein paar Minuten in einer Kirche Rast zu machen. Wir öffneten die Tür und setzten uns in eine Bank. Das Sonnenlicht fiel durch die bunten Glassscheiben und malte farbige Bilder auf den Boden. Die Luft roch nach Kerzen und Blumen und war angenehm kühl. Doch am schönsten war die Stille um uns.
Als wir ein paar Minuten so gesessen hatten, kam plötzlich der Pfarrer aus der Sakristei und ging auf uns zu. Mit einem freundlichen Blick sagte er: Ich habe den Staub an Ihren Schuhen gesehen. Sie sind bestimmt auf Wanderschaft. Ich habe hier eine kleine Erfrischung für Sie. und reichte uns eine Schale mit Weintrauben. Wir bedankten uns und aßen sie, langsam und bedächtig.
Bevor wir die Kirche wieder verließen, schrieb jeder von uns etwas in das Gästebuch, das für die Besucher der Kirche offen lag. Meine Sätze weiß ich bis heute:
Gott, ich danke dir für Menschen, die mir helfen, dass mir leichter wird. Ich danke dir für Menschen, die den Staub auf meinen Schuhen und auf meiner Seele sehen. Ich danke dir für Menschen, die mir zeigen, wo ich das Wesentliche finde.
Leichter werden für das Wesentliche
|