Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.07.06, 6.30-07 Uhr, Kerstin Hanke

Ein quietschgelber Grabstein

Karin wünscht sich einen quietschgelben Grabstein. Bei Thorsten soll ein Totempfahl errichtet werden und Manni nimmt sein Motorrad mit ins Grab. Dank des neuen Bestattungs-

gesetzes ist nun alles möglich. Privat betriebene Friedhöfe wird es nun mehr und mehr geben. Keine Verordnungen, keine religiösen  Vorbehalte sprechen da dann mehr gegen solche ausgefallenen Wünsche. Eigentlich nur folgerichtig in einer Zeit, in der alles möglich ist, wenn ich es denn nur bezahlen kann.

Wenn ich die uniformierten Grabreihen auf Friedhöfen entlanggehe, dann frage ich  mich schon: Was bleibt mal von mir? Nur ein verwechselbarer Grabstein? Und ich freue mich, wenn ich etwas persönliches entdecke, einen Teddybären oder einen Liebesbrief an einem Blumenstrauß. Denn der Tod wiegt schwer. Nur - gelbe Grabsteine allein machen ihn nicht unbedingt leichter.

Jedes Grab macht mir  deutlich: Wir nichts sind und alles durch die Liebe. Liebe von unserer Familie, von unseren Freunden und - von Gott.  Das ist ein Kernsatz  des christlichen Glaubens. Das Grab ist nicht das Ende. Das hoffe ich oder daran glaube ich. Und daher wünsche ich für mich nur ein Kreuz auf meinen Grab. Aber quietschgelb darf es schon sein.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Ein quietschgelber Grabstein


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