|
20 Jahre Knast statt Therapie
Die Justizvollzugsanstalt in Wuppertal. Hier treffe ich Giovanni. 38 Jahre alt . Mehr als die Hälfte seines Lebens saß er bereits hinter Gittern, weil er krank ist.
Drogenabhängig sowie die meisten seiner Mitgefangenen. Doch das sieht man ihm nicht an. Dem gut gewachsenen Italiener, mit den braunen Haaren und den traurigen Augen. 20 Jahre Knast statt Therapie ihm hat das nicht geholfen:
O-Ton: Ich meine das ist ein Unterschied, ob ich jemanden wegen Drogen in eine Therapie schicke seitens des Gerichts oder ob ich den dann in den Knast stecke und der ist dann vorbestraft und kriegt dann keine Arbeit mehr aufgrund seiner Vorstrafe und das ganze Leben ist verpfuscht aufgrund einer Vorstrafe.
Autorin: So waren auch bei ihm die Rückfälle vorprogrammiert. Wie das geht, ein Leben ohne Drogen, hat Giovanni nie gelernt. Seine Zeiten draußen waren überschaubar. Nach wenigen Wochen war er meist wieder abhängig, wurde kriminell und kam wieder ins Gefängnis. O-Ton: Ich hab oft das Gefühl gehabt, daß ich das regulieren konnte, aber im Endeffekt dann wohl doch nicht. Weil man ist entweder süchtig oder man ist nicht süchtig. Ich bin süchtig.
Autorin: Giovanni will aussteigen. Endlich eine Therapie machen. Doch seine Chancen sind schlecht. Als er den Drogenberater sprechen will, erfährt er:
O-Ton: Ich stehe an Stelle 64 und das könnte noch eine Zeit von sieben bis ca neun Monaten in Anspruch nehmen, das wäre dann so die Zeit, wo man auf mich zukommen würde und ein erstes Gespräch stattfinden könnte. Autorin: In anderen bundesdeutschen Haftanstalten sieht es nicht anders aus. Es fehlt an allem. An Drogenberatern, Sozialarbeitern und Seelsorgern. Die Verantwortlichen sagen: Es fehle auch an Geld. Doch das mag glauben, wer will. Denn allein in Wuppertal sind acht Millionen Euro in Sicherheit investiert worden. In Stacheldrähte, Kameras und Detektoren, obwohl noch nie jemand ausgebrochen ist.
20 Jahre Gefängnis statt Therapie. Giovanni hat alles verloren. Mutter, Bruder und Schwester sind mittlerweile tot. Was ihm die Kraft gegeben hat, zu überleben:
O-Ton: Ich hab viel verloren, viel auch gelitten, und da konnte ich mich eigentlich immer drauf verlassen, auf die Hoffnung auf den Glauben, das hat mich auch immer bestärkt durchzuhalten, nicht aufzugeben ... ich hab ja noch gar nicht richtig leben dürfen.
Autorin: Von Frau, Kind und Arbeit davon träumt Giovanni, so zu leben, wie alle anderen. Jetzt bete ich für die Politiker, daß sie Giovanni endlich eine Chance geben. Denn wer acht Millionen Euro ausgibt, um ein einziges bereits ausbruchssicheres Gefängnis zu sichern, kann auch ein paar Tausend ausgeben, um einen Kranken zu heilen. Auch er hat ein Recht zu leben.
20 Jahre Knast statt Therapie
|