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Sieger und Verlierer (Mt 18, 1-5)
Es gibt Leute, die halten Fußball für einen Kampf auf Leben und Tod. Ich glaube das nicht. Es ist viel ernster als das. (Bill Shankley)
So beurteilt ein englischer Fußballmanager das Spiel, das die Welt - so scheint es wenigstens - seit Wochen in Atem hält.
So komisch dieses Zitat auch klingt, so treffend ist es. Denn um ein Spiel handelt es sich schon lange nicht mehr. Es ist Ernst. Ein hartes Geschäft, in dem mit knallharten Bandagen gekämpft wird. Nur der Sieg zählt. Dabei sein ist längst nicht mehr alles. Diese Zeiten sind lange vorbei. Jede Mannschaft will gewinnen. Will die beste, die größte sein.
Wer allerdings meint, früher sei alles besser gewesen, der irrt. Denn dies ist weder ein neues noch ein rein sportliches Phänomen, wie die folgende biblische Geschichte zeigt:
Als Jesus einst mit seinen Jüngern unterwegs ist, unterhalten sich diese über Gott und die Welt. Dabei geraten sie in einen Streit. Sie eifern miteinander, wer denn der Größte unter ihnen sei. Da haben wir`s. Schon damals also der ewige Streit um den ersten Platz. Selbst Jesu Jünger bilden da keine Ausnahme. Selbst bei ihnen zählt nur der Sieg. Der Größte. Der Höchste. Der Schnellste. Der Beste. Nur Superlative sind gefragt. So sind die Regeln. Alles andere als der Sieg ist der Untergang. Die Verlierer werden ausgepfiffen und haben nichts mehr zu melden. Mit ihnen will sich keiner abgeben. Für sie ist kein Platz. Sie müssen sehen, wo sie bleiben.
Aber
? Wie ergeht es nun den Jüngern? Wer von ihnen erhält den Pokal? Da die Zwölf sich nicht einigen können verständlicherweise, wer läßt schon dem Nächsten gerne den Vortritt - soll Jesus als Schiedsrichter bestimmen, wer denn nun der Größte unter ihnen sei. Einer von ihnen muß es ja sein, da sind sie sich einig. Doch ein Außenseiter macht das Rennen. Einer, der sich noch nicht einmal als Jünger qualifizierte. Zur Verwunderung aller nimmt Jesus ein Kind, stellt es in die Mitte und spricht: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet (
). Denn wer von euch allen der Kleinste ist, der ist groß. Ein Kind! Damit hat wohl niemand gerechnet. Das wird den Zwölfen die Sprache verschlagen haben.
Warum nur sind die Kleinen bei Gott ganz groß? Wer schon mal in strahlende Kinderaugen blickte, kann sich denken warum. Bei ihnen geht es nicht um einen Kampf auf Leben und Tod, sondern um ausgelassene Lebensfreude. Wie lebensbejahend klingt ihr Lachen im Ohr. Ihre unbekümmerte Heiterkeit, die hochgradig ansteckend ist. Ihre Begeisterung ist noch ehrlich. Und ihren Freudentränen darf man trauen. Sie wissen, was Spaß am Spiel bedeutet. Was wahre Lebensfreude heißt.
Wer ist der Größte? Diesen Wettkampf spielt Jesus nicht mit. Er durchbricht dieses Streiten um den ersten Platz. Diese unsinnige Konkurrenz. Ein Kind hält er uns als Spiegel vor. Es bietet nicht nur ein Beispiel für ausgelassene Lebensfreude. Kinder erinnern uns daran, daß die Außenseiter und die im Abseits nicht die Verlierer bleiben. Sie werden nicht vom strahlenden Sieger verdrängt, denn Jesus gibt keinen verloren. Übrigens: Der Sieger hat viele Freunde, der Besiegte hat gute Freunde.
Sieger und Verlierer (Mt 18, 1-5)
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